Keine große Sache(2/19)

Posted on Oktober 4, 2013

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„Was zum Teufel…?“
Im obersten Zimmer des Burgturms von Awrosch ruhten alle Blicke auf Teese, in welche sich gerade die gesamte Magie der Aura-Kugel ergossen hatte. Magie, die – wäre es nach Timar gegangen – eigentlich für Lisande bestimmt gewesen war.
Teese senkte ihre Arme, die sie abwehrend vor sich gehalten hatte. Es war vorbei. Die Gefahr für Lisande war gebannt. Timar hatte freie Magie benötigt, die sich in das Mädchen ergießen konnte, um zu versuchen aus ihr eine Magierin zu machen. Doch die Magie erfüllte nun Teese.
Ihr Magiespeicher war sicherlich bis zur Hälfte wieder gefüllt, mindestens. Und sie würde die Magie nicht wieder hergeben. Schon einmal weil sie nicht wusste, wie das gehen sollte. Und damit waren Timars Pläne vereitelt. Ganz einfach.
Efraim starrte Teese hasserfüllt an. „Du verdammtes kleines Miststück.“
Timars Blick lag fassungslos auf Teese.
Lisande hatte den Kopf schiefgelegt und den Vorgang erstaunlich ruhig und interessiert beobachtet. Jetzt zeichnete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht ab. Es weitete sich und dann lachte das Mädchen voller Belustigung.
Teeses Mundwinkel glitten ebenfalls nach oben. Es war ein ansteckendes Lachen und es war doch auch zu komisch. Alleine Timars völlig entgeisterter Blick hätte Teese zum Lachen bringen können. Sicher hatte er mit vielem gerechnet, aber nicht damit.
Doch nicht allen war in diesem Moment zum Lachen zu Mute. Efraim schäumte vor Wut. „Du hinterhältige…“ Er zog in einer schnellen Bewegung sein Schwert, das glänzend rot aufleuchtete, als es mit Magie erstrahlte. „Ich bring‘ Dich um.“
Er stürzte auf Teese zu und riss die Waffe nach oben. Sein Schlag würde Teese der Länge nach spalten wie eine Axt ein Stück Brennholz auf einem Hackklotz.
Teese sah ihn kommen, jede Bewegung wie in Zeitlupe verlangsamt. Ihr Lachen verstummte, das Lächeln verblasste auf ihrem Gesicht. Sie sah wie er auf sie zukam, das Schwert zum Schlag erhoben.
„Achtung, Teese“, schrie Lisande.
‚Ausweichen‘, brüllte Fleck in Teeses Kopf.
Doch sie konnte sich nicht bewegen. Sie stand da, ungläubig darüber, was gerade passierte. Jemand lief mit einem gezogenen Schwert auf sie zu. Er wollte sie umbringen. Ganz wirklich und tatsächlich. Das war kein Training und kein Spiel. Efraim wollte sie töten. Gleich hatte er sie erreicht, würde das Schwert mit einem gezielten Schlag nach unten führen und die Klinge würde sich in ihren Kopf bohren und ihn spalten wie eine Machete eine Kokosnuss.
„Efraim, Nein.“
Fürst Edomar stieß Teese zur Seite und ließ Teese wieder in den gewohnten Zeitablauf zurück taumeln. Sie versuchte auf den Beinen zu bleiben und sah aus dem Augenwinkel, wie das magisch pulsierende Schwert Efraims auf die gezogene Waffe von Edomar traf.
Der Fürst hatte nicht den Hauch einer Chance. Teese hatte gesehen, was geschah, wenn eine magische Waffe auf eine normale, unmagische traf. Einmal hatte Magister Pim mit einem magisch aufgeladenen Schwert Ro angegriffen. Ein anderes Mal hatte Yophus mit einem Schwert voller Eismagie einen Hieb gegen die Trainingswaffe des Waffenlehrers von Weltenei geführt. Und zu guter Letzt hatte sie selbst ein Flammenschwert gegen Edomars Waffe geführt.
In allen Fällen war das Ergebnis vernichtend gewesen. Und das musste Fürst Edomar doch wissen. Er hatte Teeses Feuerschwert erst vor wenigen Minuten selbst zu spüren bekommen. Und so wie vorhin in der Trainingshalle war es nun Efraims Schwert, das seine magische Kraft mit voller Wucht auf die einfach geschmiedete Waffe des Fürsten freisetzte.
Mit einem metallischen Kreischen als würde ein Auto an einer Leitplanke entlang schrammen traf der Hieb von Efraim auf Edomars zur Abwehr gehobenen Waffe. Ein Schwarm kleiner roter Funken schoss wie in einer Explosion nach außen, als würde eine Schleifmaschine sich durch einen Stahlträger fressen.
Grelles Rot blendete Teese, so dass sie den Blick abwenden musste. Rechts von ihr erschien Lisande in ihrem Sichtfeld und packte Teese im Rennen am Arm. „Raus hier.“
Teese wirbelte mehr mitgerissen als alles andere herum und fand sich direkt der Tür gegenüber. Bis eben hatte dort noch Fürst Edomar gestanden und den Fluchtweg versperrt. Doch jetzt war der Weg frei. Lisande riss die Tür auf und zog Teese an der Hand mit sich aus dem Raum.

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