Das Experiment (18/19)

Posted on August 30, 2013

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„Du weißt, worum es hier geht?“, wollte Edomar von Teese wissen.
Teese kam der Gedanke, dass sie einfach vorgeben könnte, von nichts zu wissen. Dann würde man sie vielleicht gehen lassen. Aber dann würde Lisande… Teese zögerte. Sie wusste, was die drei hier planten. Aber würde überhaupt etwas passieren? Timar wollte aus einem Nichtmagier einen Magier machen. Das war nicht möglich. Nicht soweit Teese wusste. Aber Timar war nicht dumm. Wenn er einen Weg gefunden hatte…
Sie versuchte, ihre Gedanken in geordnete Bahnen zu lenken. „Ihr Magiefühlende sucht nach einem Weg, aus Nichtmagiern Magier zu machen. Timar hat Euch gesagt, dass er weiß, wie es geht. Er wollte eine gefüllte Aura-Kugel haben. Ihr habt uns eine gestohlen und jetzt…“
Teese zögerte. Sie wusste nicht, was genau Timar nun machen wollte, aber sie war sich in einem ganz sicher. Sie atmete einmal tief durch.
„Was Ihr vorhabt ist falsch.“
Efraim lachte auf. Timar wandte den Blick ab. Teese sah Edomar an. Wenn sie eine Chance hatte, mit jemandem vernünftig zu sprechen, dann mit ihm. Eigentlich mochte sie ihn sogar irgendwie. Er war Nysraels Onkel und zu ihr war er immer nett gewesen.
„Ist es falsch, jemandem zu einem Magier werden zu lassen?“, wollte Fürst Edomar von ihr wissen.
Teese wiegte nachdenklich den Kopf. „Ich weiß nicht, aber ich weiß…“ Sie sah wieder zu Lisande. „Willst Du eine Magierin werden?“
„Nein!“ Sie wirkte empört und verärgert zugleich.
„Und das ist es, was falsch ist“, sagte Teese. „Wenn Ihr Magier werden wollt, probiert es an Euch aus. Wenn es klappt… naja, also dann wäre das wohl in Ordnung. Von mir aus könnte jeder Magier sein, der das möchte. Aber jemanden als Versuchskaninchen zu missbrauchen, vor allem, wenn man gar nicht weiß, was passieren wird. Das ist nicht richtig.“
„Sie wird eine Magierin werden“, mischte sich Timar ein. Sein Blick galt nicht Teese, sondern dem Fürsten. „Es wird funktionieren. Das hat es bereits zuvor. Ich bin der lebende Beweis.“
„Nein“, widersprach Teese. „Du bist kein Nichtmagier gewesen. Du hast Magie in Dir getragen. Man hat sie entfernt und in eine Aura-Kugel gegeben. Nur, weil Du aus dieser Kugel ein Seelentier geschaffen hast, bist Du ein Magier geworden.“
„Ich weiß.“ Timar wandte sich nun doch Teese zu. Sein Blick drückte einen gewissen Widerwillen aus, als er sprach. „Aber glaubst Du, ich sei vorher etwas anderes gewesen als irgendein anderes nichtmagisches Kind auf dieser Welt?“
Er ließ Teese keine Zeit für eine Antwort. „Nein, natürlich nicht“, sagte er. „Alles, was mich von anderen nichtmagischen Kindern unterschieden hat, ist, dass mich Magie erfüllt hat, die ungebunden war und mit der ich in Kontakt gekommen bin. So wie diese hier.“ Er wies zu Efraim, der die Aura-Kugel noch immer lässig in der Hand hielt.
Langsam begann Teesezu dämmern, was Timar vor hatte. „Du willst die Magie freisetzen, damit sie sich ein leeres Gefäß sucht?“, wollte sie zögerlich wissen. „Die Magie wird in Lisande fließen und dann…“
„…dann wird es ihre Magie werden“, unterbrach Timar sie. „Sie wird daran natürlich erkranken, aber ich kann sie heilen. Die Magie wird zurück in die Kugel kehren und sie ist eine Magierin.“
„Aber das wird sie doch erst, wenn sie ihr Seelentier formt“, hielt Teese dagegen.
„Ein Magier warst Du bereits, bevor Du ein Seelentier besessen hast“, erwiderte Timar.
„Ja, aber Du nicht.“
Teese fand das alles unlogisch. Sie hatte natürlich bereits vorher Magie wirken können. Sie würde dies auch heute noch ohne Fleck können. Ro hatte eine Zeitlang ohne Seelentier auskommen müssen, nur mit seiner Magie in einer Aura-Kugel.
Aber Lisande war eine Nichtmagierin. Sicher konnte sie von Magie befallen werden. Das hatte Teese auf ihrer Reise inzwischen gelernt. Aber sie würde keine Magierin werden, indem man einfach die aus ihr entfernte Magie in eine Aura-Kugel gab. Denn sonst wären all die Kinder Magier geworden, die Ro geheilt hatte. Und das war doch wohl nicht der Fall.
Von allen diesen Kindern war nur Timar erlaubt worden, ein Seelentier zu formen und erst danach war er ein Magier geworden. Das müsste er doch wissen.
„Dann weißt Du nur die Hälfte von dem, was bei mir damals passiert ist“, sagte Timar trocken und wandte sich von Teese ab.
„Darüber zu spekulieren ist müßig“, beendete Fürst Edomar die Diskussion. „Efraim, gib Deinem Bruder die Aura-Kugel. Er soll beginnen. Wenn nichts geschieht, haben wir nichts verloren. Wenn es hingegen funktioniert…“

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