Das Experiment (10/19)

Posted on Juli 29, 2013

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Teese zuckte kurz zusammen und beeilte sich dann, ein Streichholz aus der Schachtel zu nehmen. Sie schob die Schachtel wieder zu, schloss die Dose und überlegte kurz. Dann fühlte sie nach ihrer Magie. Es kribbelte ganz sanft in ihren Fingerspitzen und Teese führte das Streichholz zur Dose.
Erst in dem Moment als sie das Streichholz an der Reibefläche der Schachtel entzündete, gab sie ihre Magie in das Hölzchen. Die Flamme blitzte auf und Teese hielt das Streichholz leicht schräg nach oben. So würde sie auch ihr Schwert nach oben führen, um sich zu schützen.
„Soweit so gut“, kommentierte Ro.
Teese schüttelte das Streichholz in einer schnellen Bewegung und die Flamme verlosch. Ohne sich von Ros Worten beirren zu lassen, nahm Teese ihre Schwerter in die Hand.
‚Ihr seid wie das Streichholz‘, formulierte sie sicherheitshalber in Gedanken den Vergleich, der für ihre Sympathiemagie nötig war. Dann senkte sie die Waffen.
„Das war alles?“, erkundigte sich Fürst Edomar interessiert und griff nach seinem Schwert.
„Ja“, sagte Teese. „Aber ob es funktioniert hat…“
Weiter kam sie nicht, denn der Fürst startete unerwartet einen Angriff mit gehobenem Schwert auf Teese. Der Schlag war nicht sonderlich schnell und ließ Teese genug Zeit, ihre Schwerter in eine Abwehrposition zu bringen.
Beide Klingen sausten schrägt nach oben und noch bevor sie sich vor Teese kreuzten, leckten lodernde Flammen die Schwerter hinauf als wären sie in Benzin getaucht und angezündet worden.
Fingerdicke Funken sprühten, als die Klingen sich berührten und alles vor Teese hinter einer gleißenden Feuerwand verschwand. Die Hitze schlug ihr mit einer solchen Wucht entgegen, dass Teese zurückgeschleudert wurde, weg von den beiden Schwertern, die einen Augenblick in der Luft hingen als wären sie dort festgenagelt inmitten der Wand aus Flammen.
Teese ging rückwärts zu Boden und die Schwerter fielen nach unten. Das Klirren der Klingen ging in den panischen Schreien der Jungen unter, die irgendwo jenseits der Feuerwand bis eben trainiert hatten.
‚Löschen, Teese‘, schrie Fleck aus seiner Tasche heraus. ‚Du musst sie löschen.‘
Zwei Feuersäulen schlugen knisternd von den Klingen nach oben wie ein in Zeitlupe eingefrorener Special Effect auf einem Rock-Konzert.
Teese robbte auf allen Vieren zu dem linken Schwert, das ihr am nächsten lag. Die Hitze waberte ihr entgegen, so dass Teese nicht näher kommen wollte. Sie schob ihren Arm so weit nach vorne wie möglich und bekam das Schwert zu fassen.
Die Klinge war handwarm. Nicht mehr. Mit einer energischen Bewegung wedelte Teese mit dem Feuerschwert in der Luft als würde sie ein Streichholz ausschütteln. Die Flamme erstarb ohne viel Gegenwehr als hätte Teese tatsächlich nur ein Streichholz gelöscht.
Die Flammenwand war wie von der Erdoberfläche verschwunden. Das zweite Schwert hielt Ro in der Hand, der in einer gebeugten Bewegung ähnlich eines langen Ausfallschritts nach der Waffe gegriffen hatte und sie offenkundig genauso gelöscht hatte wie Teese das andere Schwert.
Hinter Ro hockte Fürst Edomar rücklings auf dem Boden und hatte beide Hände vor der Brust ineinander gepresst. Sein Schwert lag auf, nein eingebrannt in die Trainingsmatte ein Stück vor ihm und glühte rot wie geschmiedetes Eisen. Schwarzer Qualm stieg schwelend von der Waffe auf.
Mehrere ältere Jungen kamen zu ihm gerannt, während ein Großteil vor Schreck an Ort und Stelle verharrt war. Einige hatten sich ins Freie zu retten versucht und waren zum Teil an der Tür stehen geblieben, um von dort aus sicherer Entfernung zu sehen, was passierte. Aufgeregt wurde gestikuliert und durcheinander geredet.
Teese sah zu der Bank, wo sie Flecks Seelentiertasche abgestellt hatte. Doch auch ohne den versichernden Blick fühlte sie natürlich, dass Fleck nichts passiert war und es ihrem Seelentier gut ging.
‚Alles in Ordnung‘, versicherte das Kaninchen ihr dennoch, den Kopf aus der Tasche gestreckt mit hektisch zuckendem Näschen.
Teese stand langsam auf, ohne ihr Schwert loszulassen. Ro hatte sich ebenfalls aufgerichtet und reichte ihr das zweite Schwert. In seinem Blick konnte Teese deutliche Verunsicherung erkennen. Hatte er einen anderen Ausgang dieses Experiments erwartet?
„Tut mir leid“, sagte Teese heiser.
Ro schüttelte den Kopf. „Ich hätte es nicht besser machen können“, sagte er trocken. „Zu keinem Zeitpunkt.“
Teese schluckte. Das hieß, dass sie sich mit diesen Flammenschwertern mit dem großen Magier Roath hätte messen können.
„Ich verstehe nur nicht“, setzte er erneut an, schüttelte aber dann nur den Kopf, als seien alle weiteren Worte ihr gegenüber ohnehin reinste Zeitverschwendung.

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