Das Experiment (7/19)

Posted on Juli 19, 2013

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Ro reichte Fürst Edomar seine Waffe und trat von der Trainingsbahn. Teese hatte ihre Schwerter gesenkt und wartete überrascht, was nun kommen würde. Sie hatte Nysraels Onkel bisher noch nie kämpfen sehen und konnte sich ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass dieser dicke Mann überhaupt ein guter Kämpfer sein konnte. Schwertkampf war eine anstrengende Sache, sicher so anstrengend wie Tennis oder Aerobic.
„Greif mich an“, forderte Fürst Edomar Teese auf.
Innerlich seufzend hob Teese ihr rechtes Schwert und entschied sich für einen schnellen Stoß. Es wunderte sie nicht wirklich, dass der Fürst ihren Schlag fast aus dem Handgelenk heraus blockte.
Sein Gegenangriff überraschte Teese allerdings, so schnell kam seine rechte Klinge auf sie zugesaust. Blitzschnell kreuzte Teese abwehrend beide Schwerter und geriet ins Schwanken.
Falsch.
Das war falsch.
Nur das linke Schwert war für die Abwehr gedacht. Eilig versuchte sie ihren Fehler zu korrigieren und ihr rechtes Schwert wieder frei zu bekommen, bevor Edomars Schlag auf ihre Waffen traf.
„Tschuldigung“, brachte sie betreten heraus, mehr an Ro gewandt als an den Fürsten.
Sie wollte innehalten, aber Edomar setzte erstaunlich flink einen nächsten Angriff nach. Teeses Schwerter zuckten und erst im letzten Moment schaffte sie es, ihre beiden Waffen so zu sortieren, dass sie mit links den Hieb ablenkte und mit rechts angreifen konnte.
Nur halbherzig setzte sie zu einem Schlag an, den Fürst Edomar so gekonnt parierte, dass Teese um ein Haar das Schwert aus der Hand geschlagen worden war. Sie taumelte einen Schritt nach hinten und fing sich wieder.
Ein neuer Angriff von ihm wurde mit dem linken Schwert abgewehrt, doch das rechte war automatisch mit nach oben gewandert und konnte jetzt gar keinen Schlag aus dieser Position führen. Teese war sich mit ihren Waffen selbst ins Gehege gekommen. Wieder einmal.
„Stopp!“, befahl Fürst Edomar und richtete sich auf.
Teese senkte ihre Waffen und schöpfte Atem.
„Rosares, könntest Du bitte sehen, was Timar dort hinten mit Gibelich macht“, wandte er sich an Ro. „Das ist nicht die Übung, die sie heute machen sollten.“
Ro sah zu den Jungs, dann auf sein Klemmbrett, nickte und ging. Nicht, ohne Teese vorher einen strengen Blick zuzuwerfen.
Edomar senkte seine Schwerter und musterte Teese. „Du versuchst immer einen unerwarteten Angriff mit beiden Schwertern abzuwehren“, stellte er fest.
Teese ließ den Kopf hängen. „Ich weiß.“
„Wenn Du die Abwehrschläge alleine übst, klappt es hingegen gut.“
„Ja.“
„Warum ist das so?“
Teese überlegte. „Das ist eine Übung. Ich weiß genau, wie ich einen bestimmten Schlag abzuwehren habe.“
„Es sind aber dieselben Schläge, mit welchen ich eben auch angegriffen habe“, hielt der Fürst dagegen.
„Ja, aber…“
„Aber?“
Teese zuckte mit den Schultern. „Wenn ich angegriffen werde, will ich immer“ – sie hielt inne, weil sie sich der Antwort schämte.
„Du willst nur nicht getroffen werden und reißt beide Arme hoch“, sagte an ihrer Stelle Fürst Edomar. „Du denkst nicht daran, dass es nur eine Übung ist, sondern hältst Deine Arme schützend vor den Kopf.“
„Ehm.“ Teese sah auf ihre Fußspitzen. „Ja.“
„Aber wenn Du angreifen musst“, fuhr er fort. „Greifst Du immer nur mit einem Schwert an, weil Du es so gelernt hast.“
„Ja.“ Teese fiel nichts anderes zu sagen ein.
„Deine Angriffe sind allerdings alles andere als zielgerichtet“, stellte er fest.
Teese sparte sich dieses Mal eine Antwort.
„Aber Deine Abwehrhaltung ist natürlich undurchdringbar.“
Teese runzelte irritiert die Stirn.
„Vielleicht musst Du einfach anders mit Deinen Schwertern kämpfen als man es Dir beizubringen versucht.“
Das verwirrte Teese jetzt vollkommen. Sie blickte auf und suchte nach einem Anflug von Ironie in seinem Gesicht. Doch offenkundig meinte er seine Worte vollkommen ernst.

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