Zwischen Magiern und Nichtmagiern (16/18)

Posted on November 23, 2012

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Sie ging zielstrebig auf den nächsten Passanten zu und erkundigte sich nach dem Weg zum Bahnhof. Nach gerade einmal einer Viertelstunde Fußweg hatte sie dessen Vorplatz bereits erreicht und auch das Hotel war nicht schwer zu finden. Anscheinend lief jetzt alles glatt.
Im Hotel wusste man Bescheid. Sophie bekam einen Zimmerschlüssel ausgehändigt und die nette Dame von der Rezeption zeigte ihr das Zimmer. Sie ließ Sophie ein großes Baguette mit Salami bringen und Orangenlimonade.
Sophie aß, während sie auf dem Bett saß und versuchte, etwas Fern zu sehen, was sich aber so früh am Morgen als keinen großen Spaß erwies. Vielleicht sollte sie die Zeit wirklich nutzen und schlafen oder etwas lesen.
Sophie legte das halb aufgegessene Baguette auf dem Schreibtisch vor ihrem Bett ab und ging zu ihrem Rucksack, den sie daneben abgestellt hatte. Sie öffnete ihn und holte nach kurzem Zögern das magische Tuch heraus, in welches all ihre nichtmagischen Sachen eingeschlagen worden waren, inklusive der beiden schweren Bücher.
Auch wenn sie es sich eigentlich schon fast denken konnte, faltete sie das Tuch probeweise einmal auf und dann noch einmal, um festzustellen, dass es sich hier in der alten Welt um nicht mehr und nicht weniger als ein großes, weißes Taschentuch handelte. Von den Büchern, ihren Schwertern, dem Drachenputzzeug und den anderen Dingen keine Spur. Sie waren praktisch nicht vorhanden.
Sophie ging nachdenklich zum Schreibtisch und biss wieder in das Salami-Baguette. Sie hoffte sehr, dass ihre magischen Besitztümer wieder auftauchen würden, wenn sie zurück in die neue Welt kam. Die Schwerter würde sie persönlich zwar nicht vermissen, aber Ro wäre vermutlich ungehalten, wenn die Bücher verschwunden wären und Nanu brauchte ihre Putzutensilien.
Wie es ihrem Drachen wohl gerade ging? Fleck hatte gesagt, Nanu wäre auf dem Weg zu ihnen gewesen. Hoffentlich hatte keiner der Schärgen sie gesehen. Wobei… das war im Grunde jetzt egal, denn ihr Anführer, Efraim, hatte ihn gesehen und er hatte vor ihnen allen davon berichtet. Vermutlich würde Nanus Auftauchen bei ihnen wenig Verwunderung auslösen.
Und Fleck? Das Kaninchen hatte gesagt, es würde alleine klar kommen. Vermutlich hatten die Schärgen ihr Seelentier nicht einmal bemerkt. Dennoch machte sich Sophie Sorgen. Am meisten sorgte sie sich aber um Ro. Was, wenn die Schärgen ihn gefangen genommen hatten? Sicher würden sie ihn über Sophie ausfragen wollen, oder? Und wenn sie gegen ihn mit den magisch aufgeladenen Schwertern gekämpft hatten, war er sicherlich auch noch verletzt worden. Und das nur wegen ihr.
Efraim hatte sie dabei beobachtet, wie sie Nanu geputzt hatte und wie sie Liinas Magie genutzt hatte. Natürlich hatte Sophie das nicht gewusst und so gesehen war es nicht ihre Schuld. Aber sie war die Ursache für den Überfall der Schärgen auf Ro und sie.
Ohne wirklichen Appetit vertilgte Sophie die Reste ihres Baguettes und zog sich dann aus, um sich doch noch etwas hinzulegen. Ihre nichtmagische Kleidung hatte sich, wie sie bereits auf den ersten Blick bemerkt hatte, nicht verändert. Alleine das magische Untergewand, das Dekan Ezzo für sie hergestellt hatte, das Adamant-Hemd, sah nun anders aus. Aus ihm war ein einfaches Seiden-Unterhemd geworden.
Mit seinem Aussehen hatte sich auch seine Beschaffenheit verändert. Es hielt nicht mehr warm und schützte mit Sicherheit auch nicht vor nichtmagischen Waffen. Allerdings benötigte Sophie beides im Moment auch nicht. In diesem Hotelzimmer war sie sicher und die Heizung war auf astronomische Höhen gestellt worden. So warm hätte ihr Vater die Heizung zu Hause nie gedreht. Das, so hätte er gesagt, wäre Stromverschwendung.
Sophie schlug die dicke Bettdecke zurück und kuschelte sich in das Bett. Jetzt nachdem sie etwas gegessen hatte und die Anspannung langsam von ihr abfiel, spürte sie immer deutlicher die Müdigkeit in sich. Dieser Tag war sehr lange gewesen und sehr ereignisreich. Sie war die halbe Nacht hindurch mit Ro unterwegs gewesen und war den gesamten Tag davor auf den Beinen gewesen.
Sophie streckte sich und rollte auf den Bauch. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, sonst noch irgendetwas getan zu haben, so schnell übermannte sie schließlich der Schlaf.

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