Der Weg der Magie (13/20)

Posted on August 17, 2012

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‚Siehst Du, das war doch eine gute Idee gewesen‘, kommentierte Fleck.
Teese öffnete ihre Augen und richtete sich auf dem Bett auf. Ihr Kaninchen lag völlig entspannt auf der Bettdecke. Die Nase wackelte leicht, während das Seelentier atmete, wie ein echtes Kaninchen, auch wenn es das in Wahrheit wohl so wenig musste wie etwas essen oder trinken.
‚Ja, Rehan wird kommen und den Mann verhaften.‘ Oder etwas Vergleichbares. Konnten Magier Nichtmagier verhaften? Sie waren eigentlich keine Polizei, oder?
Teese setzte sich im Bett auf und ging dann zur Tür. Im Gehen streifte sie ihr Hemd über den Kopf. Sie öffnete die Tür einen Spalt weit und schloss sie dann energisch. Sie nahm den linken Ärmel des Hemdes in beide Hände und machte einen Knoten in ihn, den sie fest zuzog. Dabei gab sie von ihrer Magie in den Knoten und stellte sich vor, sie würde die Tür damit verschließen.
Obwohl Teese wusste, dass sie diesen Zauber beherrschte, drückte sie zur Probe die Türklinke noch einmal herunter. Die Tür ließ sich nicht öffnen. Magie hielt sie geschlossen. Zufrieden ging Teese zum Fenster und wiederholte den Zauber mit einem Knoten im anderen Ärmel. Tür und Fenster würden sich jetzt erst wieder öffnen, wenn sie den Knoten lösen würde oder wenn ein Magier mit dem passenden Talent oder viel Magie den Zauber aufheben würde. Ro würde dies tun können, wie Teese bewusst war. Allerdings war das im Augenblick wohl kein Grund zur Besorgnis.
Der einzige, den Teese hier aussperren wollte, war ein Nichtmagier, der sich als Magier ausgab. Mit ihm könnte sie eigentlich sogar so fertig werden, wenn sie Magie anwenden würde. Wobei sich Teese die Frage stellte, mit was sie angreifen sollte. Natürlich hatte sie ihre beiden Schwerter in ihrem Gepäck, die sie mit Magie zu furchteinflößenden Waffen machen könnte.
Allerdings mochte sie das Kämpfen mit Waffen nicht sonderlich und besonders gut würde sie darin auch nie werden. Wenn sie sich schon verteidigen musste, wollte sie dabei dennoch niemanden verletzen oder gar töten. Die Vorstellung schreckte sie am Kampf mit den Waffen am allermeisten ab.
Wenn sie in der Lage gewesen wäre, das Schwerttraining als eine Art Sport zu betrachten, wäre sie vermutlich deutlich besser gewesen. Aber sie trainierten mit gefährlichen Waffen, die todbringend sein konnten. Das war es, was Teese daran nicht gefiel.
Also blieb ihr im Endeffekt nur ihre Magie, um sich zu verteidigen. Sich gab es Möglichkeiten, Gegner einfach bewegungsunfähig zu machen. Man könnte sie vielleicht am Boden festkleben oder einen Käfig um sie herum bauen. Oder aber man könnte sich selbst mit einem Zauber unsichtbar machen oder unangreifbar. Teese hatte darüber noch nicht nachgedacht.
Ihr kam in den Sinn, dass Liina das für ihr eigenes Talent allerdings bereits sehr wohl getan hatte. Sie hatte ihr doch Zauber mitgegeben, die sie im Notfall nutzen sollte. Sie hatte ihr einen ganzen Stapel mit Zetteln gegeben, die jeder eine rosafarbene Schleife umgebunden hatte. Jeder davon war beschriftet gewesen, damit Teese wusste, wofür er gut war.
Teese warf das Hemd mit den verknoteten Ärmeln neben Fleck aufs Bett und öffnete ihren Rucksack. Bisher war sie noch nicht dazu gekommen, sich Liinas Magie-Briefchen anzusehen. Aber vielleicht wäre jetzt ein ganz guter Zeitpunkt dafür. Vielleicht fand sich etwas, das sie zu ihrem Schutz nutzen könnte.
Teese holte das magische Tuch aus ihrem Gepäck und schlug es auf dem Boden mehrmals auf, so dass ihre geheime Ausrüstung zu Tage kam, welche die Dinge beinhaltete, die Nichtmagier besser nicht sehen sollten, wenn sie Teese auch weiterhin für eine Ihresgleichen halten sollten.
Die gefalteten Zetteln lagen ziemlich weit am Rand und Teese nahm den ganzen Stapel und setzte sich auf ihr Bett, um sie sich in Ruhe anzusehen. Im Schneidersitz hockend betrachtete sie den obersten der gefalteten Zettel. Das rosa Seidenband saß noch immer stramm und fest, obwohl Teese die Zettel schon seit Tagen mit sich herumtrug.
Allerdings würden sie sich auch kaum von alleine öffnen. Immerhin waren die einzelnen Blätter mit Magie verschnürt, die Teese sofort freisetzen würde, wenn sie das Band öffnen würde. Der erste magische Zettel, den Teese in der Hand hatte, war beschriftet mit ‚Nebelwand‘. Das klang schon einmal vielversprechend. Etwas kleiner stand in Liinas hübscher Handschrift darunter zu lesen ‚Vernebelt einem Ziel die Sicht und ermöglicht eine schnelle Flucht‘.
Das passte ganz hervorragend. Teese legte den Zettel nach links und nahm sich den nächsten vor. Sie merkte schnell, dass Liina eine ganze Auswahl für verschiedene Zwecke erstellt hatte. Es gab sogar einen, der unsichtbar machte, wenn auch nur für kurze Zeit. Und ein paar waren eindeutig für den Angriff gedacht. Teese legte diese auf einen Stapel und packte ihn schließlich ganz innen in ihr Bündel.
Den Großteil der restlichen Zettel legte sie auf den Rand ihres magischen Tuchs, so dass sie nicht lange nach ihnen suchen musste, wenn sie sie brauchte. Vier von Liinas Zaubern steckte sie in ihren Umhang zu Marisans Brief an Nysrael. Von außen begutachtete Teese ihren Umhang. Allerdings beulte sich die Tasche nicht im Geringsten aus. Vermutlich hätte sie ganze Bücher darin tragen können, ohne dass man es dem Umhang aussah.
Teese legte den Umhang neben ihr Kopfkissen und begann dann sich bettfertig zu machen. Der Tag war beinahe vorüber und draußen brach die Dunkelheit herein. Morgen würden sie wieder früh aufbrechen und daher wäre es das klügste, die Nacht zum Schlafen zu nutzen. Das Bett versprach eine angenehme Nachtruhe und in ihrem abgeschlossenen Zimmer war Teese vollkommen sicher.

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