Reisevorbereitungen (14/19)

Posted on März 30, 2012

0


Ro zögerte sichtlich, bevor er fortfuhr. „Auf Anweisung von Dekan Ezzo werden wir als Vater und Tochter reisen.“
Teese verhinderte nur mit Mühe, erneut hörbar nach Luft zu schnappen.
„Dein Name wird Teesemi sein.“ Er maß Teese prüfend. „So wie Du bereits bei einigen Nichtmagiern bekannt bist.“
Teese konnte den Vorwurf in seiner Stimme hören. Teesemi, das war der Name, mit welchem Marisan sie Nysrael vorgestellt hatte.
„Mein Name unter den Nichtmagiern“, fuhr Ro fort, „lautet Rosares. Du wirst mich auf der Reise beständig duzen, bis wir wieder nach Weltenei zurückkehren und mit ‚Vater‘ ansprechen. Unsere Geschichte wird sein, dass Deine Mutter bereits kurz nach Deiner Geburt gestorben ist, ich nie von ihr spreche und Du nichts über sie weißt. Dekan Ezzo hat mir das großzügige Angebot gemacht, dass Du auf Weltenei leben darfst, um seiner Tochter Marisan als Spielgefährtin zu dienen.“
Das machte in Teeses Augen Sinn. Sie behielt den Namen, den vielleicht schon andere als nur Nysrael kannten und ihr Lebenslauf erklärte, warum sie von magischen Dingen Ahnung hatte, aber vom Leben der Nichtmagier eher keine – und vermutlich auch, warum sie Ro nicht so gut kannte, obwohl er doch ihr Vater sein sollte.
„Ich habe entschieden“, legte ihr Ro weiter dar, „dass Du nun aber alt genug bist, um von mir mein Handwerk zu erlenen, damit Du Dich später selbst versorgen kannst. Die Nichtmagier kennen mich als einen Magiefähigen, einen Nichtmagier, der magische Gegenstände benutzen kann. Ich nutze meine Fähigkeiten, um kranke Menschen zu heilen und ich verkaufe unter der Hand magische Gegenstände, die ich von Magiern erhalten habe.“
Ro pausierte seine Rede kurz und sah Teese fast ein wenig skeptisch an. „Hast Du soweit alles verstanden?“
Teese nickte. Ja, das hatte sie alles verstanden. Aber sie hätte sich nicht vorstellen können, dass sie auf diese Weise mit Ro reisen würde. Alles war noch viel mehr ein Theaterspiel als sie erwartet hatte.
„Du wirst Dich auf der Reise möglichst still verhalten, wenn anderen bei uns sind, folgsam sein und Dich wie eine gehorsame Tochter verhalten. Rede mit Fremden nur, wenn Du angesprochen wirst. Alles andere überlässt Du mir“, bläute Ro ihr ein. „Magie wirst Du keine anwenden, sofern ich Dich nicht ausdrücklich dazu auffordere.“
Teese warf einen verstohlenen Blick in Magister Nabis Richtung, doch die lächelte nur, gemütlich auf Flaumschnabels Bett zurückgelehnt, und wippte weiter mit den Füßen. Anscheinend sagte Ro nur das, was sie ohnehin erwartet hatte.
„Deinen Drachen wirst Du anweisen, uns zu folgen, aber nicht von Nichtmagiern gesehen zu werden.“ Ro machte eine energische Geste. „Schon gar nicht, wenn wir uns in Begleitung von Nichtmagiern befinden. Der Drache kann sich wilde Tiere als Nahrung jagen und stößt nur nachts zu uns, wenn wir alleine sind.“
„Das weiß sie bereits“, schaltete sich Magister Nabi schließlich doch noch in die Unterhaltung ein. „Ich habe Nanu bereits genau instruiert. Darüber solltest Du Dir keine Sorgen machen.“
„Ich mache mir keine Sorgen“, erwiderte Ro scharf. „Aber manche Dinge benötigen der genauen Planung.“
Magister Nabi lächelte auf eine merkwürdig allwissende Weise. Ohne auf Ros Worte weiter einzugehen, wandte sie sich an Teese. „Warum probierst Du Deine neuen Sachen nicht gleich einmal an?“ Sie sah zu Ro. „Bleibst Du zum Essen?“
„Nein.“ Seine Antwort kam schnell und klang für Teese so als wäre zum Essen zu bleiben das letzte, was er freiwillig tun würde. „Wie ich bereits sagte, auch ich habe noch Vorbereitungen zu treffen.“
„Dann sehen wir uns morgen früh“, stellte Magister Nabi dessen ungeachtet fröhlich fest.
Teese fand die Art, in der sich die beiden unterhielten sehr merkwürdig. Sie schienen überhaupt nicht aufeinander einzugehen. Ro war missmutig und klang abweisend. Magister Nabi war fröhlich und anscheinend bester Laune als würde seine Reaktion ganz anders ausfallen.
„Sobald es hell wird“, sagte Ro und seine Worte galten Teese, „hole ich Dich ab. Trödele nicht herum und stehe früh genug auf.“
„Okay“, war alles, was Teese als Erwiderung einfiel.
Ro genügte dies aber anscheinend vollkommen, denn er ging zur Tür und verließ den Raum ohne ein weiteres Wort.
Magister Nabi seufzte und schüttelte den Kopf. „Was soll man mit diesem Mann nur anfangen?“
Teese hoffte, dass sie darauf keine Antwort erwartete und tatsächlich fuhr die Magister im selben Atemzug fort. „Zieh am besten alles so an, wie Du es morgen tragen wirst. Dann sehen wir, ob auch wirklich alles passt.“
Sie sah zu dem aufgefalteten Tuch auf Teeses Bett. „Die Farben sind ja schon ein wenig traurig. Möchte nur wissen, wo Ro diese Sachen her hat.“
Sie rutschte von Liinas Bett und zog ihre Robe zurecht. „In zehn Minuten gibt es Essen. Das langt Dir doch, oder?“
„Äh, klar.“ Teese glaubte nicht, dass sie zehn Minuten brauchen würde, um ihre Robe auszuziehen und die Kleidung der Nichtmagier anzuziehen.
„Wunderbar.“ Magister Nabi folgte Ro aus dem Raum und ließ Teese ein wenig irritiert alleine zurück.

<< erster Teil (1. Kapitel) | << vorheriger Teil | nächster Teil >>

Advertisements