Lektionen in Magie (5/20)

Posted on Dezember 19, 2011

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„Hiermit stelle ich Euch heute hier versammelten Magiern unseren Nachwuchs vor“, fuhr Dekan Ezzo fort, nachdem sich die Kinder mit ehrfürchtigem Abstand um ihn herum versammelt hatten und schließlich mehr oder weniger eine Reihe bildeten
„Die Abgesandten aus den Colligaten bitte ich, die Namen unserer neuen Studenten, ihre Talente und die Namen ihrer Tutoren in ihre Heimat zu tragen und dort ebenfalls bekannt zu geben. Ich beginne die Vorstellung in aufsteigender Reihenfolge der Studenten nach ihrer Leistung in der Abschlussprüfung.“
Teese schluckte. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Sie hatte das Zeugnis gesehen, das ihre Eltern nach Hause geschickt bekommen hatten und das war durchaus gut gewesen – glänzend für ihre Verhältnisse. Aber es war sicherlich nicht das Zeugnis einer Jahrgangsbesten und bestimmt nicht ausreichend für eine Auszeichnung.
Wievielte sie wohl geworden war? Alleine, dass sie kaum die schlechteste von ihnen gewesen sein konnte, tröstet sie ein wenig. Und tatsächlich war der erste, den Dekan Ezzo aufrief, nicht sie, sondern Devin, der kleine Eskimo.
Teese konnte Seth einen Seufzer der Erleichterung ausstoßen hören. Vermutlich war er froh, dass er nicht der schlechteste in ihrem Jahrgang war, obwohl er es wohl befürchtet hatte. Devin machte einen Schritt nach vorne und blieb stehen, während Dekan Ezzo verkündete, er sei ein Heiler, sein Tutor sei Lizentiat Lavoc und dass er die Prüfung mit 53 Prozent bestanden hätte.
Devin wartete einen Moment, während die Blicke der Anwesenden auf ihm ruhten und als Dekan Ezzo den nächsten Namen verkündete, ging der Junge zielstrebig zu seinem Platz. Anscheinend hatte er genau gesagt bekommen, worum es hier ging und was er zu machen hatte.
Unvermittelt war auch Teese erleichtert, dass nicht Seth das schlechteste Ergebnis hatte. Er hätte ihr sehr leid getan, wenn er sich vor den Anwesenden damit blamiert hätte, nicht zu wissen, was er bei der Nennung seines Namens zu tun hatte. Die anderen wussten wie üblich Bescheid, denn Kerpha, die als nächstes an die Reihe kam, trat ebenfalls ganz selbstverständlich nach vorne.
Das Mädchen war eine Waffenmagierin, was Teese nicht gewusst hatte. Und auch ihren Tutor, Magister Hoib, kannte Teese nicht. Überhaupt wusste sie von den wenigsten, was für ein Talent sie besaßen und so lauschte sie aufmerksam Dekan Ezzos Vorstellungen ihrer Mitstudenten.
Als nächstes kamen aber Schüler, deren Talent sie kannte. Als erstes Seth, dann Fenn und schließlich Glom, der kein Talent gefunden hatte und Alleskönner-Magier war oder Universalminimalist, die offizielle Bezeichnung, die Dekan Ezzo selbstverständlich verwendete.
Nach den drei Jungen kamen zwei Mädchen an die Reihe, mit welchen Teese bisher nicht viel zu tun gehabt hatte. Das war zum einen Rena, ein großes und kräftig gebautes Mädchen mit dunklen kurzen Locken und zum anderen Jul, ein kleines Mädchen mit noch dunklerer Haut als Fenn. Rena war eine Tiermagierin und Jul eine Pflanzenmagierin.
Es folgten ihnen Ceal, der Objektmagier war, und sein Freund Urban, dessen Talent die Prophetie war. Inzwischen waren die Prüfungsergebnisse bei 80 Prozent angekommen und Teese entspannte sich etwas. Wenn sie schon nicht Jahrgangsbeste sein würde, so doch wenigstens in der oberen Leistungshälfte.
Dazu gehörten auch Rinnir, Yophus und Zelet. Auf Yophus‘ Talent war Teese besonders gespannt gewesen und so war sie etwas enttäuscht, als Dekan Ezzo verkündete, sie sei eine Tiermagierin. Ihr Tutor war Rehan, der Pförtner, was Teese bereits gewusst hatte. Allerdings wusste sie nicht, was sein Talent war. Sie hatte irgendetwas Besonderes erwartet, das ihn zum Pförtner gemacht hatte. Ein Talent, das Yophus mit ihm teilen würde. Er war wohl kaum Tiermagier, oder?
Allerdings dachte Teese den Gedanken nicht zu Ende, denn Zelets Talent überraschte sie noch mehr. Der indische Junge war Sympathiemagier, genau wie Teese selbst. Gut, sie hatte gewusst, dass ihr Talent nicht einzigartig war. Aber sie hatte es doch irgendwie als etwas Besonderes angesehen. Sie wusste, dass es das Talent des ersten Dekans gewesen war und ein wenig war sie stolz darauf gewesen, ebenfalls eine Sympathiemagierin zu sein.
Dadurch, dass nun auch Zelet dieses Talent besaß, verlor es in Teeses Augen etwas von seinem Glanz. Gleich darauf scholt sie sich aber für diesen Gedanken. Roath hatte so gedacht und es war selbstherrlich und eingebildet.

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