Die Insel der Magier (17/18)

Posted on Juni 8, 2009

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Teese zupfte nachdenklich an ihrer weißen Schärpe, welche die kräftigen Arme des Dekans ihr umgehängt hatten. Sie fragte sich, welche Aufgaben er als ‚Hüter von Weltenei‘ und ‚Bewahrer der Quelle der Welten‘ zu erfüllen hatte. Was war überhaupt diese Quelle der Welten?
Diese Fragen würde sie nicht so schnell beantwortet bekommen. Wo sich die Quelle der Welten befand, wusste Teese hingegen bereits wenige Minuten später. Magister Elgin hatte es übernommen, die neuen Schüler durch das riesige Hauptgebäude und den Turm zu führen, der sich auf Weltenei erhob.
Der Magieturm, wie das Bauwerk genannt wurde, besaß eine gewaltige Eingangshalle. An ihrer Außenwand führten vier Treppen nach oben in den nächsten Stock. In der Decke war ein großer, goldener Metallkreis eingelassen, welcher die Erde als Scheibe zeigte.
Die Goldscheibe in der Decke war so weit über den Köpfen der Schüler befestigt, dass Teese kaum mehr erkennen konnte, als dass verschiedene Länder auf der Erdscheibe eingraviert waren. Sie glaubte, die beiden Teile von Amerika erkennen zu können und Afrika und Europa auf der gegenüberliegenden Seite. Dadurch, dass alles auf einer kreisrunden Scheibe dargestellt war, wirkte die Anordnung der Kontinente allerdings ungewohnt und die Schriftzüge auf der gravierten Goldkarte konnte Teese nicht entziffern.
Einfacher war dies bei dem Gegenstück der goldenen Weltkarte auf dem Boden. Auch diese Scheibe war kreisrund und in den Stein eingelassen. Vor ihr führten zwei Treppen in einem Halbrund in ein tieferes Stockwerk. Eine verschlossene Tür verhinderte den Blick auf das, was sich unter der Goldscheibe befand.
„Das hier“, erklärte Magister Elgin, bevor einer der Kinder die Frage stellen musste, „ist der Eingang zur Quelle der Welten. Dies ist der Ort, an welchem Ihr am Ende des Halbjahres die letzte Prüfung absolvieren müsst und dort zeigt sich auch wie stark Euer magisches Talent ist.“
Teese konnte sehen, dass Seth bei den Worten leicht schauderte. Allerdings ging sie davon aus, dass er sich darüber keine Sorgen machen musste. So wie er mit magischen Tieren umgehen konnte, musste das eine magisches Talent sein und sicher war es stark. Magister Nabi schien jedenfalls mit ihm sehr zufrieden gewesen, nachdem er das Einhorn gefüttert hatte.
„Der Zutritt zu der Quelle“, rissen Magister Elgins Worte Teese aus ihren Gedanken, „ist den Rest des Jahres für Kandidaten verboten, ebenso wie für höhere Studenten und die Magister. Nur der Dekan hat Zugang zu der Quelle der Welten, wann immer es ihm beliebt. Er entscheidet, wer den Quellraum betreten darf und wer nicht.“ Magister Elgin sah in die Runde der versammelten Kinder. „Also kommt nicht auf dumme Gedanken“, fügte er hinzu und wohl nicht ganz zu Unrecht.
Fenns Blick lag mit großer Neugier auf der schlichten Holztür, welche den Raum unter der goldenen Weltscheibe verschloss. Und sogar Rinnir schien Teese die Tür abschätzend zu mustern, als würde er nur zu gerne einmal einen Blick hinter sie werfen.
„Gehen wir nun hinauf in die Stockwerke der Bibliothek“, wies Magister Elgin die frischgebackenen Kandidaten an.
Die Gruppe folgte dem Magister zu einer der Treppen, welche an der runden Turmwand hinauf führte. Teese konnte bei einem Blick in die Höhe feststellen, dass sie eine Art äußeres Treppenhaus betraten, welches unendlich in die Höhe zu reichen schien.
„Alle vier Treppen führen in den Turm hinauf“, sagte Magister Elgin, während die Kinder ihm nach oben folgten. „Dies hier ist die Nordtreppe und sie führt zur Bibliothek. Gegenüber liegt die Südtreppe, welche zu den Schreibstuben, den Werkstätten und den Übungsräumen führt. Die Osttreppe bringt Euch zu den Studienzimmern der Magister und die Westtreppe zu den Arbeitszimmern der älteren Schüler.“
Fenn war am Geländer stehen geblieben und sah wie Teese nach oben. „Ziemlich hoch“, stellte er fest.
Teese nickte. Ob die Treppe bis in die Spitze des Turmes führen würde, bis zu dem goldenen Engel auf dem Dach?

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