Die Insel der Magier (18/18)

Posted on Juni 1, 2009

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Magister Elgin hielt eine große Tür auf, kaum dass sie den ersten Treppenabsatz erreicht hatten, und die Kinder betraten die Bibliothek.
„So viele Bücher“, staunte Liina, welche neugierig als eine der ersten in die Bibliothek gegangen war.
Fenn schob sich vor Teese durch die Tür. „Ich hoffe, wir müssen die nicht alle lesen“, sagte er. Der dunkelhäutige Junge teilte Liinas Begeisterung nicht wirklich.
Teese beeindruckten die unzähligen Büchersregale über mehrere Etagen und Galerien zutiefst. „Kein Leben ist lang genug, um sie alle zu lesen“, entschied sie, ohne lange darüber nachdenken zu müssen.
Die Bibliothek war sieben Stockwerke hoch und Regale standen dicht gedrängt in jedem Stockwerk an der kreisrunden Turmwand. Treppen verbanden die Galerien miteinander, während der Innenraum eines jeden Stockwerks frei gelassen war und den Blick bis hinauf zur hohen Decke ermöglichte.
Teese konnte eine weitere goldene Scheibe dort oben sehen und ein Blick auf den Boden verriet ihr, dass auch hier eine Weltscheibe eingelassen worden war. Vielleicht war es sogar dieselbe, die sie in der Decke der Eingangshalle gesehen hatten.
„Die Bibliothek steht allen Studenten offen.“ Magister Elgin hatte die Stimme gesenkt, um die an Tischen über ihre Bücher gebeugten Schüler nicht zu stören. „Beachtet aber, dass die verschiedenen Bereich nur Magiern einer bestimmten Stufe vorbehalten sind. Ihr als Kandidaten und Träger der weißen Schärpe habt Zugang zu allen Büchern in diesem Stockwerk. Für das darüber müsst Ihr Euch die rote Schärpe erwerben, für die dritte eine orangefarbene und für die vierte eine gelbe. Wenn Ihr Magisteranwärter seid und eine grüne Schärpe tragt, könnt Ihr die Bücher im fünften Stockwerk einsehen. Wir Magister und Träger der blauen Schärpe haben Zugang zum sechsten Stockwerk. Die siebte Etage ist dem Träger der violetten Schärpe vorbehalten, dem Weisesten von uns allen, Dekan Ezzo.
„Was für Bücher stehen dort?“, wollte Fenn neugierig wissen.
Magister Elgin wiegte nachdenklich den Kopf. „Ich habe keine Ahnung. Das müsstest Du den Dekan fragen.“
„Sie hat außer ihm wirklich niemand bisher gesehen?“ Fenn machte große Augen.
„Doch, seine Vorgängerin natürlich und deren Vorgänger.“ Der Magister machte eine vage Handbewegung. „Sofern sie die violette Schärpe getragen haben. Es gab Fälle in der Geschichte von Weltenei, in welcher dies nicht der Dekan war. In der Regel ist der Weiseste von uns aber immer auch Hüter von Weltenei.“
Teese hatte den Kopf in den Nacken gelegt und sah die sieben Stockwerke der Galerien mit ihren schmalen Geländern hinauf. Der oberste Stock übte einen merkwürdigen Reiz auf sie aus. Sie würde zu gerne einmal eines dieser Bücher in den Händen halten, die dem besten der Magier vorbehalten waren. Was wohl in ihnen stand?
„Ich denke aber, das würde jetzt zu weit führen“, fuhr Magister Elgin fort und als Teese ihren Blick zu ihm wandte, bemerkte sie, dass er sie bei seinen Worten angesehen hatte. „Ihr werdet in den nächsten Wochen im Unterricht mehr als genug von solchen Dingen erfahren. Gehen wir jetzt weiter in die Wandelhalle und den Kreuzgang. Außerdem wollte ich Euch noch das Hospital, das Skriptorium und das Auditorium Maximum zeigen und dann müssen wir wohl schon in die Taberna Akademika…“ Seine Worte verhallten, während er die Bibliothek verließ.
Die Gruppe der jungen Kandidaten folgte dem Magister zurück ins Treppenhaus. Als sie sich umwandte, bemerkte Teese zwischen zwei Regalen ein blonder Haarschopf. Dort stand der Sohn des Dekans, Timar, ein Buch im Arm und sah zu dem Mädchen, als sie die Bibliothek verließ. In seinen Augen spiegelte sich stummer Hass, der Teese schaudern und sie beeilen ließ, den anderen zu folgen.

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