Die Insel der Magier (14/18)

Posted on Mai 29, 2009

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„Was, wo?“ Liina sauste sofort los und Teese heftete sich an ihre Fersen.
Die Straße führte durch einen gemauerten Torbogen und weitete sich dahinter zu einer breiten Plattform, die kreisrund war. Gerade landeten zwei Flügelpferde darauf und ihre Reiter saßen ab, um die Tiere zu einem Gebäude mit großen, offenstehenden Türen zu führen. Im Halbdunkel konnte Teese Stallungen erkennen. Jemand hatte ein weiteres fliegendes Pferd herausgeholt und legte ihm einen Sattel auf. Seth stand daneben und hielt das Pferd am Halfter.
„Seth kann echt gut mit Tieren umgehen“, stellte Liina außer Atem das Offensichtliche fest.
„Ja, irgendwie hat er einen richtigen Draht zu denen“, stimmte Fenn zu. Der dunkelhäutige Junge grinste. „Er wusste schon, dass hier die Pferde sind, bevor wir sie sehen konnten.“
Teese wandte den Blick und sah zu, wie ein weiteres Flügelpferd in einem geschwungenen Bogen auf die Insel zuhielt und langsam an Höhe verlor. Als es den Rand der Plattform erreichte, schlug es mit seinen aufgestellten Flügeln und bremste seinen Flug ab, wie ein Vogel, der auf einer Fensterbank zu landen versuchte. Zuerst berührten die hinteren Hufen des Flügelpferdes den Boden, dann die vorderen.
Sein Reiter saß ab. „He, Ihr. Steht hier mal nicht so im Weg herum.“
Teese beeilte sich weiter zu gehen. Sie standen wirklich mitten auf dem Landeplatz der fliegenden Pferde und sicherlich wirklich im Weg.
„Seth, wir wollen weiter“, rief Fenn nach hinten, während sich die vier Kinder wieder in Bewegung setzten.
„Ich glaube, hier sind wir richtig“, stellte Teese mit einem Blick die Straße entlang fest.
„Ach?“ Fenn sah irritiert zu ihr. „Und warum?“
„Weil dort vorne andere Kinder sind, die mit uns mit den Booten hierher gekommen sind.“
Liina grinste. „Und sicherlich haben die einen Magister erwischt, der ihnen genau gesagt hat, wo sie hin müssen.“
Seth schloss zu den anderen auf. „Ich mag Magister Nabi“, stellte er ein wenig steif fest.
„Klar, ich finde sie auch nett.“ Liina wirkte unbekümmert. „Aber sie ist ein wenig…“
„…verplant“, half Teese aus. „So hat Icus es ausgedrückt.“
Die fünf Kinder erreichten das Ende der Straße und fanden sich auf der Spitze des Inselberges wieder. Teese drehte sich um und sah über die Häuser, die sich an den Berg schmiegten. Die Dächer waren dunkel mit einem leichten Blauton, welcher den Himmel zu spiegeln schien. Man konnte das Meer vor der Insel sehen und dahinter das Festland, ein Streifen Küste in sandfarbenem Fahlgelb mit hellgrünem Gras und in der Ferne das dunkle Grün von Wäldern.
Zwei Flügelpferde flogen von der Landefläche hinter ihnen in den Himmel. Teese konnte einen kleinen, geflügelten Drachen mit hektischen Flatterbewegungen ein Stück neben ihnen in der Luft sehen. Seine Schuppen glänzten in einem metallischen Grün.
„Er sieht ganz anders aus als der rote Drache an der Mole“, stellte Teese fest und wandte ihren Blick. Doch neben ihr stand nur noch Rinnir. Die anderen drei waren bereits auf dem Weg zu der Halle, welche seitlich vor dem großen Turmkomplex lag. Große, goldene Türen waren einladend weit geöffnet.
„Kennst Du Dich aus mit Drachen?“, wollte Rinnir wissen und folgte Teeses Blick gegen den Himmel.
Teese schüttelte den Kopf. „Nein, eher nicht.“
„Aber Du hast schon einmal welche gesehen, oder?“, bohrte Rinnir nach.
Teese zuckte mit den Schultern. „Ehrlich gesagt…ich glaube nicht.“
Rinnir nickte langsam, als würde er über irgendetwas nachdenken. „Findest Du das nicht merkwürdig?“
Teese wählte ihre Worte abwägend. „Die anderen scheinen es nicht seltsam zu finden. Für sie scheint alles hier normal zu sein.“
Rinnir nickte erneut. „Das habe ich auch bemerkt. Aber Du findest es merkwürdig, nicht wahr?“
„Ja.“
Rinnir nickte als würde er Teeses Ansicht teilen und kaute auf seiner Unterlippe. Beide Kinder sahen nachdenklich zu den fliegenden Pferden, welchen der grünschimmernde Drache mit schnell vibrierendem Flügelschlag auswich.
„Te-ese. Komm schnell, es geht los“, hallte Liinas Stimme zu ihnen herüber und ließ Rinnir förmlich zusammenzucken.
Teese fuhr herum und sah, wie die anderen Kinder durch die Tür mit ihren goldenen Flügeln gingen. „Beeilen wir uns besser“, sagte sie zu Rinnir.
Der Junge nickte stumm und eilte mit Teese zu dem Langbau und durch die offenstehenden Goldtüren in die Kühle des Gebäudes.

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