Die Insel der Magier (13/18)

Posted on Mai 25, 2009

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„So, und nun?“, wollte Fenn schließlich wissen.
„Nun trinken wir den Eistee aus und gehen zu dieser Schärpenübergabe“, entschied Liina.
„Fein, weißt Du auch, wo die ist?“, hielt Fenn dagegen.
Teese stütze die Arme auf den Tisch. „Es war von einer Halle die Rede, in die wir sollen.“
„Und die ist wo?“ Fenn wirkte ein wenig entnervt.
„Bestimmt oben irgendwo“, meinte Teese. „Hier sind alles Wohnhäuser oder Lager. Vielleicht ist die Halle in einem der Gebäude um den Turm.“ Der goldene Engel, welcher sich auf den Zehenspitzen in den Himmel aufrichtete und die höchste Spitze des Turms bildete, hatte sie sehr beeindruckt.
„Und selbst wenn nicht“, unterstützte Liina sie, „so schadet es nichts, wenn wir uns das alles schon einmal ansehen, oder? Ich bin neugierig, was es hier alles zu entdecken gibt.“ Die kleine Chinesin rieb sich freudig die Hände.
„Was ist mit Dir, Rinnir?“, wollte Fenn wissen und sah zu dem blassen Jungen mit den kinnlangen, dunkelblonden Haaren.
Er schrak auf. „W-was soll mit mir sein?“
„Du bist so still“, antwortete Liina an Fenns Stelle. „Ist Dir nicht gut? Hast Du Heimweh?“
„Nein.“ Entschieden wedelte Rinnir mit den Händen. „Nein, das ist es nicht. Ich bin nur…ein wenig müde. Ich bin gestern spät ins Bett gekommen.“
„Das erklärt auf alle Fälle, warum Du so blass bist“, nickte Liina.
„Blass? Bin ich blass?“
Teese stand auf und brachte ihr Glas hinüber zu dem Regal an der Wand. Einen Augenblick sah sie sich nach einer Spüle um, da sie das Glas kaum benutzt zurück ins Regal stellen konnte. Doch von einer Spüle oder einem Waschbecken fehlte jede Spur. Teese überlegte noch, ob sie nach oben ins Bad gehen sollte, um ihr Glas auszuwaschen, als ihr Blick auf das Glas in ihrer Hand fiel.
Obwohl sie es gerade benutzt hatte und es noch vor wenigen Minuten mit Eistee gefüllt war, war das Glas eindeutig sauber und sah wie eben aus dem Regal genommen aus.
„Seltsam.“
Teese drehte das Glas nachdenklich in ihrer Hand, während sie mit einem Ohr die Unterhaltung der anderen am Tisch verfolgte. Langsam stellte sie das Glas zu den übrigen Gläsern ins Regal.
„Praktisch.“ Liina war neben sie getreten und stellte ihr leeres Glas neben das von Teese. „Bestimmt ist das irgendein Zauber.“
„Wenigstens entfällt damit der Küchendienst.“ Fenns grinsendes Gesicht strahlte höchste Zufriedenheit aus. „Ich kann Küchendienst nämlich nicht ausstehen.“
Die fünf Kinder verließen das Haus und machten sich auf den Weg, die Straße entlang, den Inselberg hinauf. Die Sonne zeichnete die Dächer der schmalen Häuser auf das schwarze Pflaster. Außer ihnen waren nur wenige Leute unterwegs.
Die meisten Passanten waren ältere Kinder, Erwachsene waren kaum unter ihnen. Teese bemerkte, dass alle, denen sie begegneten, die dunkle Robe trugen, die auch sie und die anderen übergezogen hatten. Darüber waren Schärpen in verschiedenen Farben gestreift. Ein paar jüngere Kinder trugen weiße Schärpen oder rote, die älteren von ihnen orangefarbene oder leuchtend gelbe. Die Erwachsenen trugen fast ausnahmsweise grüne oder blaue Schärpen.
Die blauen – entschied Teese – waren die Schärpen für die Magister. Magister Elgin hatte eine solche getragen, ebenso wie Magister Nabi und die Magister in den Häusern, in welchen die ersten Kinder aus ihrer Gruppe untergebracht worden war.
„Sag mal, Teese“, griff Liina die Unterhaltung auf, während sie die Straße hinauf gingen. „Bist Du irgendwie eine berühmte Magierin oder so was?“
Die Jungen waren schon etwas vorausgegangen und Teese konnte Fenn lachen hören, während er Seth und Rinnir etwas von einer Nixe erzählte, die er bei der Überfahrt gesehen hatte.
„Ich – Nein…“ Teese schüttelte den Kopf. „Wie kommst Du darauf?“
Liina spielte mit einem ihrer blauen Seidenbänder, welches ihre Haare zu Schnecken gesteckt zusammenhielt. „Ach, nur weil der Idiot im Pförtnerhaus gemeint hat, dass er sich nicht von Deinem Namen beeindrucken lassen würde. Und dann hat die Magister zu Icus so eine komische Andeutung gemacht.“ Sie sah Teese von der Seite an. „Dass man Dich in Ruhe lassen solle und sie keine Lust hätte, dass wegen Dir ständig Gaffer ins Haus kommen würden.“
Teese schluckte. Damit hatte sie nicht gerechnet. „Oh, also ich wüsste jedenfalls nicht, warum ich irgendwas Besonderes sein sollte.“
Liina zog ihre Nase kraus. Teese war das irgendwie unangenehm. So war sie ganz froh, als Fenn das Thema fürs erste beendete, indem er sich zu den Mädchen umdrehte und posaunte, „Beeilt Euch mal ein wenig. Seth hat die fliegenden Pferde gefunden.“

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