Die Insel der Magier (8/18)

Posted on Mai 8, 2009

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Teese und die anderen vier beeilten sich, ins Haus zu kommen, während Magister Elgin mit den restlichen Kindern weiter ging.
„Die Zimmer sind oben.“ Während sie sprach durchquerte die Magister den Raum, der Teese ein Esszimmer zu sein schien. Ein Tisch mit sieben Stühlen stand in der Mitte. Links an der Wand gab es einen Herd und mehrere Schränke und Regale mit Geschirr. Daneben führte eine Treppe dorthin, wo wohl die Zimmer lagen.
„Zwei Zimmer rechts, ein Zimmer links und dahinter das Bad“, fuhr die Magister fort. Sie war zur Hintertür gegangen, die offenstand und einen Blick in einen Garten erlaubte und weit dahinter auf das Meer.
„Die Mädchen bekommen das Zimmer links, denke ich.“ Die Magister war schon fast zur Tür heraus. „Die Jungs teilen sich die Zimmer rechts. Bringt Eure Sachen hoch, zieht Euch um und dann trinken wir noch einen Tee, bevor Ihr in die Halle hinauf müsst.“ Sie betrat den Garten, schloss die Tür und ließ die fünf Kinder im Esszimmer stehen.
„O-kay“, sagte Liina gedehnt und sprach damit aus, was Teese auch dachte. Sie wusste noch nicht einmal, wie die dunkelhäutige Frau hieß und schon war sie wieder verschwunden.
„Seth und ich nehmen das erste Zimmer rechts“, entschied Fenn und sah dann zu dem dritten Jungen. „Ist doch in Ordnung für Dich, oder?“
Rinnir zuckte nur mit den Schultern. „Passt schon“, sagte er. „Ich habe gerne ein Zimmer für mich.“
Teese seufzte und ging als erste zur Treppe. Irgendwie fühlte sie sich ein wenig desorientiert und Fehl am Platz, auch wenn das Haus hübsch aussah und der Garten mit dem Meer dahinter sicherlich ein Traum war.
Liina huschte ihr hinterher und überholte sie auf der Treppe. „Ich bin schon total neugierig“, keuchte sie und öffnete vor Teese die Tür zu dem linken Zimmer.
Teese folgte der kleinen Chinesin in den Raum und war sofort begeistert. Das Zimmer war unglaublich groß mit zwei Fenstern zur Straße hin, durch die helles Tageslicht fiel. Ein riesiger Teppich mit Fabelwesen darauf bedeckte den Boden. Drachen, Einhörner, Pferde mit Hinterflossen und seltsame Vögel mit Menschenköpfen waren mit einem goldenen Faden in den roten Teppich gestickt.
Am Ende des Teppichs standen zwei Tische an den Fenstern und rechts und linke von ihnen schwere Regale mit einer Unmenge an Büchern. Zwei Betten standen an je einer Seite des Zimmers. Sie waren groß, breit und mit einem goldenen Baldachin versehen.
„Ist das toll.“ Liina warf ihre Sachen auf das rechte Bett und sprang durch den Raum. Sie kletterte auf den Tisch und öffnete das Fenster, um hinaus zu sehen.
Teese legte ihre Sachen auf dem linken Bett ab und ging zu dem Bücherregal dahinter. Die Bücher waren alle in Leder gebunden, einige mit goldenen Nummern auf ihrem Rücken. Titel ließen sich nicht ausmachen.
Teese zog ein Buch heraus. „Sympathetische Zauber. Eine Einführung“, las sie und zog eine Augenbraue hoch.
Sie stellte das Buch zurück und zog ein weiteres heraus. „Enzyklopädie der Tiere.“ Sie blätterte darin. Neben einem Walfisch, einer Reihe vertraut wirkender Fische und einer Unmenge an Muscheln, war eine Nixe abgebildet und die Pferde mit Fischschwanz, die auch auf dem Teppich zu finden waren.
Liina rutschte vom Tisch und trat zu Teese. „Cool.“
Sie griff ebenfalls nach einem Buch. „Bannsprüche und Runenflüche“, las sie.
Teese kaute auf ihrer Unterlippe. „Das ist das, was wir lernen werden?“, wollte sie zögerlich wissen. Der Drache am Ufer und die fliegenden Pferde, die sie vom Boot aus gesehen hatten, hatte sie zwar nicht erwartet, aber irgendwie hatten sie die Tiere auch nicht allzu sehr verwundert. Aber jetzt, da sie diese Bücher sah, war sie ein wenig unschlüssig.
„Zauberbücher“, grinste Liina unbekümmert. „Tolle Sache. Komm, wir ziehen uns schnell um. Ich will mir unbedingt den Ort anschauen und diesen Turm. Ob es hier noch mehr Drachen gibt?“
Während sie zurück zu ihrem Bett eilte, stellte Teese langsam das Buch zurück. Ihre Gedanken schwirrten. Für Liina schien all dies hier vollkommen normal zu sein, aber Teese hatte irgendwie das Gefühl, dass sie eher träumte als dass sie wirklich an diesem Ort war.
Vorsichtig kniff sich das Mädchen in den Arm. „Autsch“, murmelte sie und rieb sich den Arm.

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