Die Insel der Magier (6/18)

Posted on Mai 6, 2009

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Teese verdrängte den Gedanken und sah in ihre Truhe. Die große Kiste war mit einer Trennwand in einen rechten und einen linken Teil aufgeteilt. Ein Zettel hing an der hinteren Wand in jedem der beiden Segmente. Links stand ‚Freigegeben‘ und rechts stand ‚Nicht zugelassen‘. Im rechten Fach lag ein Stoffbeutel, dessen Inhalt man kaum erahnen konnte sowie Teeses Kleidung, eine Cordhose und eine Jeans, ein paar Blusen und T-Shirts, ein Sommerkleid und drei Paar Schuhe.
Im linken Fach lag eine Roben, die wohl die übliche Kleidung hier auf Weltenei war, sowie mehrere weiße Kleidungsstücke, zwei paar Schuhe, drei Bücher und ein weiterer Stoffbeutel. Teese warf einen kurzen Blick hinein, bevor sie ihre ‚freigegebene‘ Sachen herausnahm. Sie erhaschte einen Blick auf einen Packen Buntstifte, einen Jojo und Dinge wie Zahnpasta, Haarbürste und ähnliche Gebrauchsgegenstände.
Das Mädchen balanzierte den Stapel mit ihren Sachen konzentriert auf einer Hand und schloss ihre Truhe wieder. Dann sah sie sich nach Liina und den beiden Jungen um. Sie entdeckte Seth, der mit einem Stapel Kleidung auf dem Arm eine Reihe entlang lief. Offensichtlich hatte auch er seine Truhe gefunden, wenngleich er keinen Stoffbeutel mit persönlichen Dingen dabei hatte.
„Oh, je“, sagte Teese mitfühlend, als er sie passierte. „Sind Deine anderen Sachen nicht freigegeben worden?“
Seth sah nur kurz auf. „Stimmt schon“, nuschelte er und beeilte sich weiter zu kommen.
Fenn, der ihm folgte, verzog sein Gesicht, als wäre ihm jemand auf den Fuß getreten. „Knapp daneben“, steckte er Teese, während er mit seinen Sachen versuchte, zu Seth aufzuschließen.
Teese sah fragend zu Liina, die in gemächlicherem Tempo folgte und ein wenig besorgt aussah. „In der Truhe waren sonst keine Sachen“, erklärte sie Teese. „Ich glaube, er hat so was wie ‚andere Sachen‘ gar nicht mitgebracht.“
„Du meinst, er hatte nichts dabei?“
Liina zuckt mit den Schultern. „Scheint so.“
Teese dachte darüber nach, als sie zurück zu den anderen gingen. Man ging doch nicht auf eine neue Schule und schon gar nicht auf ein Internat, ohne irgendetwas mitzubringen. Sie musterte Seths Kleidung, die jetzt, da sie genauer hinsah, recht schäbig wirkte. Ein dünnes, karriertes Hemd und eine verwaschene, helle Jeans, deren Risse am Knie Teese auf den ersten Blick für einen modischen Gag gehalten hatte. Doch vermutlich waren die Risse einfach dort, weil die Kleidung abgetragen war, denn auch die braunen Schuhe wirkten ziemlich abgewetzt.
Alle anderen Kinder waren jedenfalls deutlich besser gekleidet. Sicher war das auch ein Grund gewesen, warum der blonde Junge gleich auf Seth herumgehackt hatte. Sie konnte sich gut vorstellen dass er so einer von der ‚Ich bin besser als Du‘-Sorte war.
„Habt Ihr alle Eure Truhen gefunden?“, erkundigte sich Magister Elgin, als Teese und Liina als eine der letzten wieder eintrudelten. „Dann sehen wir mal zu, dass Ihr alle Eure neuen Häuser zugewiesen bekommt und Euch ein wenig einrichten und natürlich umziehen könnt, bevor Ihr Eure Schärpen bekommt.“

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