Die Insel der Magier (4/18)

Posted on Mai 4, 2009

4


Die Gruppe folgte einem Weg aus Kopfsteinpflaster den Berg hinauf. Schon von weitem konnte man ein steinernes Tor sehen, hinter welchem sich unzählige Häuser rechts und links der Straße drängten. Vor dem Tor stand ein kleines, windschiefes Gebäude mit hellblauen Fensterläden. Die Tür stand offen und ein älterer Mann mit Glatze lehnte mit verschränkten Armen im Türrahmen. Er trug eine grüne Schärpe um den Körper, welche bis auf die Farbe jener des Magisters glich.
Ihm gegenüber lungerten einige ältere Kinder in dunklen Umhängen an der Mauer, welche die Inselburg umgab. Sie musterten die Neuankömmlinge vollkommen ungeniert und waren anscheinend nur hierher gekommen, um einen Blick auf sie zu erhaschen. Auch sie trugen Schärpen, einige weiß, einige rot und einer eine orangefarbene.
Teese fiel der Junge aber nicht nur deswegen auf, sondern auch weil er vor den anderen stand, als wäre er eine Art Anführer. Er hatte lange, hellblonde Haare, die zu seinem Zopf gebunden waren und graublaue Augen, welche die Gruppe abschätzend musterte.
„Hier geht’s rein“, wies Magister Elgin davon unbeeindruckt seine Schar zu dem Haus mit dem kahlen Mann. „Morgen, Rehan.“
„Morgen Magister“, erwiderte Rehan und machte den Kindern Platz. „Dann mal rein mit Euch.“ Er blieb hinter der Tür stehen. „Eure Sachen sind schon angekommen. Sucht Euch einfach die Truhe mit Eurem Namen.“
„Uff, dann sucht mal“, entfuhr es dem dunkelhäutigen Jungen, der mit Seth hinter Liina und Teese stehen geblieben war.
Teese sah über die unzähligen Reihen an Truhen, welche im Raum standen und jeweils ein goldenes Schild besaßen, in welches der Name des Besitzers eingraviert worden war. Allerdings waren es weitaus mehr Truhen als sie Kinder waren.
„Wem gehören die alle?“, wollte Liina ungläubig wissen.
„Sicher den älteren Schülern“, mutmaßte Teese.
„Toll und welche sind unsere?“ Die kleine Chinesin wirkte nicht sonderlich begeistert von der Vorstellung, die Reihen abzusuchen.
Der dunkelhäutige Junge grinste breit. „Wollen wir wetten, dass Seth und ich unsere Truhen gefunden haben, bevor Ihr Eure habt?“
„Schon verloren“, ging Liina eifrig darauf ein und eilte auf die erste Truhe zu.
Teese schloss sich ihr notgedrungen an und auch die beiden Jungen machten sich auf die Suche nach ihren Truhen, so wie die anderen Kinder auch. Nach den ersten beiden Reihen verschwammen die Buchstaben auf den goldenen Schilchen an den Truhen bereits vor Teeses Augen. Die Namen klangen alle so fremd in ihren Ohren und die Buchstaben wirkten so ungewohnt, wie sie aneinander gesetzt waren: Ezzo, Nabi, Ro, Elgin…
Elgin? Teese wandte den Blick zurück zu dem Magister mit der blauen Schärpe, der neben dem kahlköpfigen Rehan stand und ein Stück an ihr vorbei zu einigen Truhen sah, an welchen ein junger Inder vorbei ging und dabei jedes Schild genau studierte. Ob diese Truhe hier wohl dem Magister gehörte?
„Ich habe meine.“
Triumphierend deutete der dunkelhäutige Junge auf eine Truhe, die der kleine Inder gerade passiert hatte. Teese folgte ihm neugierig, um die in gold gravierte Namensplatte lesen zu können, bevor der Junge die Truhe öffnete. Fenn.
Teeses Herz machte erfreut einen Satz, als sie ihren eigenen Namen auf der Truhe daneben lesen konnte. „Ich meine auch“, strahlte sie erfreut.
Doch bevor sie dazu kam, ihre Truhe zu öffnen, kam Liina auf sie zugelaufen, einen Stapel Kleidung und einen Stoffbeutel an sich gedrückt. „Ich habe sie gefunden und Du?“
„Ich auch.“
„Gewonnen.“
Die beiden Mädchen kicherten und wandten sich Fenn zu, der vom Inhalt seiner Truhe aufsah und die Nase rümpfte. „Seth, was ist mit Dir?“
Der schmächtige Junge stand ein wenig ratlos in der nächsten Reihe von Truhen und zuckte etwas hilflos mit den Schultern.

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