Neuer Download verfügbar

Juni 29, 2009

Mit etwas Verspätung möchte ich Euch darauf hinweisen, dass das erste Kapitel inzwischen zum Download bereit steht. Den Link findet Ihr rechts in einem der Kastenelemente und er führt Euch zur Weltenei-Homepage, wo Ihr „Die Schule der Magier“, das erste Kapitel, als PDF-Dokument herunterladen könnt. Alles, was Ihr dafür benötigt, ist ein wenig Platz auf der Festplatte und ein PDF-Reader zum Öffnen der Datei.

Wer das erste Kapitel noch nicht ganz gelesen hat, hat somit eine bequemere Möglichkeit des Lesens, als sich durch jeden einzelnen Beitrag hier zu klicken. Aber auch wer es schon gelesen hat, kann es so archivieren und sich sein Weltenei-Exemplar im Laufe der Zeit zusammensetzen.

Im Vergleich mit den hier geposteten Teilen ist wenig am Text geändert worden, gleichwohl möchte ich auf eine wichtige Änderung hinweisen, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht schwerwiegend erscheint. Und zwar habe ich im Intro-Teil Elgin seinen MP3-Player abgenommen und ihn durch einen Walkman ersetzt. Oder anders ausgedrückt: Ich habe den Roman zeitlich ein wenig zurückdatiert.

Mit diesem Gedanken hatte ich schon zu Anfang gespielt, war mir aber nicht sicher, ob ich den Handlungsstrang, für welchen dies nötig wird, so ausführlich bringen möchte. Um mir nun selbst nicht allzu früh etwas zu verbauen, habe ich diese Änderung doch noch vorgenommen, damit ich flexibel bin, wenn ich an die entsprechende Stelle komme.

Liebe Grüße,

h3nri3tt4


Die Prüfung der Kandidaten (5/17)

Juni 29, 2009

Magister Elgin hatte den Kandidaten gesagt, dass die erste Prüfung in einer der Schreibstuben stattfinden würde. Den Raum zu verfehlen war praktisch unmöglich, denn seine Tür stand einladend offen und ein hochgewachsener und sehr schlanker Mann von asiatischem Aussehen erwartete sie bereits. Seine Haare waren goldgelb, was Teese mit Staunen zur Kenntnis nahm, als sie ihn passierte und in die Schreibstube ging.
Im Raum standen zwei Reihen aus Stehpulten seitlich zum Fenster, so dass das morgendliche Licht auf die Pultplatten fiel. An jedem Platz lag ein Stapel mit grellweißem Papier und darüber lagen verschiedene Stifte und Schreibutensilien.
Teese legte den Kopf in den Nacken um mehrere milchig-weiße Kugeln zu betrachten, die unter der Decke hingen.
„Vielleicht Lampen“, wisperte Liina.
Das Mädchen trat an ein Pult und Teese ging an das dahinter. Die Abstände zwischen den Pulten erlaubte Teese einen Blick auf Liinas Arbeitspult vor ihr zu werfen. Doch das Pult neben ihr stand recht weit entfernt und ein wenig versetzt. Vielleicht waren sie so gestellt, damit niemand während der Prüfung abschreiben konnte. Andererseits standen sie auch so, dass jedes vom Sonnenlicht gut beleuchtet wurde.
Ein energisches Klopfen ließ Teeses Blick nach vorne gleiten, wo der goldhaarige Magister mit einem langen Holzstock auf das vorderste Stehpult klopfte, wohl um die Aufmerksamkeit der Kandidaten zu bekommen.
„Wir beginnen mit der Prüfung Eurer Schreibfähigkeiten“, begann er und fasste den Stock mit beiden Händen. „Ich bin Magister Felyth und wir beginnen mit dem Kopieren eines einfachen Textes mit Schreibstift auf Papier.“
Er nahm einen der Bleistifte vom vorderen Pult und hielt ihn hoch. „Dies ist ein Schreibstift. Papier liegt vor Euch.“ Er legte den Schreibstift zurück auf das Pult. „Dies ist der Text.“ Er deutete zur Wand hinter sich, auf welcher vom einen Moment zum anderen mehrere geschriebene Zeilen zu lesen standen. „Beginnt jetzt.“
Teese nahm den Bleistift und begann die Worte von der Wand abzuschreiben. Der Text war recht einfach und handelte von einer Pflanze. Erst war es eine kurze Beschreibung ihres Aussehens, dann verschiedenen Dingen, für welche man die Pflanze verwenden konnte.
„Genug“, kam die Stimme des Magisters nach einer Weile von vorne. „Jetzt schreibt Ihr mit der Schreibfeder weiter.“ Er nahm erneut das entsprechende Schreibgerät von dem vordersten Pult und hielt es hoch. „Das ist eine Schreibfeder. Fangt an.“
Teese legte den Schreibstift zur Seite und nahm die Feder zur Hand. Einen Augenblick zögerte sie, bevor sie die Feder auf das Papier setzte. Sie hätte erwartet, dass sie die Feder in Tinte hätte tauchen müssen, doch war keine vorhanden und die Feder schrieb auch tatsächlich ohne irgendeine Tusche. Die Schrift war schwarz und als Teese neugierig mit ihrem Finger über den letzten geschriebenen Buchstaben wischte, stellte sie fest, dass die Schrift trocken war, obwohl sie den Buchstaben eben erst geschrieben hatte.
Sie wollte gerade weiter schreiben, als sie hinter sich ein leises Schluchzen hörte und den Kopf wandte. Hinter ihr stand Seth an seinem Pult und hatte die Ellenbogen auf die Pultplatte gestützt, den Kopf in den Händen vergraben.
„Seth“, flüsterte Teese und legte die Schreibfeder auf dem Pult ab.
Sie huschte von ihrem Pult zu seinem. „Seth“, raunte sie. „Was ist los?“
Ihr Blick streifte das Papier auf der Pultplatte. Eine Reihe Buchstaben in einer ungelenken Handschrift quälten sich von links nach rechts. Dahinter war ein kleiner Fleck von einer Träne, die auf das Papier getropft sein musste. Ansonsten ware es leer.
„Geh weg.“ Seine Stimme war eine Mischung aus Fauchen und Wimmern und erinnerte Teese an ein in die Enge getriebenes Tier.
Mit schnellen Schritten kam Magister Felyth zu ihnen und machte eine wegwischende Handbewegung in Teeses Richtung. „Zurück zu Deinem Pult, Kandidatin Teese“, sagte er.
Während Teese seinen Worten gehorchte, konnte sie sehen, wie der Magister sich zu Seth herunter beugte und leise mit ihm sprach. Teese kniff ihre Lippen zusammen. Auch wenn sie Timar nicht ausstehen konnte, wusste sie nun, dass er in einem, was er im Pförtnerhaus gesagt hatte, Recht gehabt hatte: Seth konnte nicht lesen und nicht schreiben.

<< erster Teil (1. Kapitel) | << vorheriger Teil | nächster Teil >>


Die Prüfung der Kandidaten (4/17)

Juni 26, 2009

„Jetzt aber frühstücken“, brachte Liina Teese in die banale Welt eines alltäglichen Morgends zurück. Teese bemerkte erst jetzt, dass sie tatsächlich Hunger hatte und beeilte sich, der Chinesin nach unten zu folgen, wo das Frühstück bereits auf dem Tisch stand.
Seth saß schon am Tisch und sah ziemlich blass aus sowie reichlich nervös. Während Teese sich Kakao in ihre Tasse füllte, überlegte sie, ob er sich wegen der Prüfungen Sorgen machte, die für heute früh angesetzt waren. Magister Elgin hatte nicht genau erklärt, worum es bei diesen Prüfungen gehen würde, hatte aber ebenso wie zuvor schon Magister Nabi gemeint, dass die Ergebnisse eigentlich vollkommen unwichtig wären.
Teese angelte nach einem Brötchen und begann, es mit Marmelade zu bestreichen. Sie fragte sich, warum man überhaupt Prüfungen ablegen musste, wenn das Ergebnis nicht wirklich wichtig war? Teese spekulierte mit Fenn darüber, während sie aßen, ohne dass sie zu einem Ergebnis kamen.
Genauso ahnungslos wie zuvor, machten sie sich nach dem Frühstück auf den Weg die gepflasterte Straße hinauf, vorbei an den Ställen der fliegenden Pferde. Jetzt am frühen Morgen waren kaum welche von ihnen in der Luft über Weltenei zu sehen. Dafür konnte Teese mehr Drachen sehen als gestern. Und wieder konnte sie nicht anders, als sie bewundernd zu betrachten.
Die Drachen waren so unterschiedlich, wie man es sich nur vorstellen konnte. Nicht einer sah aus wie der andere. Da war ein gewaltiger blauer Drache mit erstaunlich winzigen Flügeln, ein kleiner, schlangenförmiger Drachen mit Fell und langen Flügeln wie bei Libellen oder ein blaugrüner, geschuppter Drache mit orangefarbenem Flaum und einem gewaltigen Kopf.
Ein Magier mit grüner Schärpe kam ihnen von der Halle entgegen und neben ihm lief mit wackelndem Gang ein kleiner goldener Drache, der Teese auf den ersten Blick mehr an einen Dackel erinnerte als einen Drachen. Vor dem Magieturm saß der riesige rote Drache, der augenscheinlich zu Magister Elgin gehörte.
„Mir ist schlecht“, hörte Teese Seth murmeln, während sie auf das Gebäude zugingen.
„Ach komm schon“, versuchte Fenn ihn aufzumuntern. „Es ist nur eine dumme Prüfung.“
Teese sah Seth besorgt von der Seite an. Der Junge war sehr blass, fast sogar ein wenig grünlich um die Nase. „Magister Elgin hat gesagt, das Ergebnis würde keine Rolle spielen“, unternahm sie den Versuch, Fenns Aufmunterungsversuch zu unterstützen. Allerdings ohne Erfolg.
Vielmehr wandte sich Seth zu ihr um und verzog wütend sein Gesicht. „Als ob Du Dir deswegen Gedanken machen müsstest“, keifte er. „Ihr seid sicher alle ganz toll, aber ich… Ich habe keine Lust, mich vor allem blamiere. Und wehe, einer von Euch lacht.“
Teese prallte förmlich zurück vor dem Zorn in seinen Augen. Dann wandte sich Seth aprubt ab und stürmte mit schnellen Schritten den anderen voraus zum Magieturm.
„Uhm“, brachte Liina überrascht hervor. „Was ist denn mit dem los?“
Fenn zuckte mit den Schultern. „Er ist schon den ganzen Morgen so drauf“, erklärte er. „Ich glaube auch nicht, dass er heute Nacht viel geschlafen hat.“
„Aber es ist doch nur eine dumme Prüfung“, wiederholte Liina Fenns Worte und verdrehte die Augen.
Tesse schwieg betroffen. Der Ausdruck in Seths Augen hatte sie irgendwie an Timar erinnert und genauso wenig wie bei ihm verstand sie bei Seth, was sie ihm getan haben sollte, um eine solche Reaktion verdient zu haben.
„Bis heute Mittag wird sich das legen“, versuchte Fenn zu beschwichtigen.
„Mach Dir nichts draus, Teese“, sagte Liina und hakte sich bei ihrer Freundin unter.
Dennoch irgendwie in gedrückter Stimmung erreichte Teese mit den anderen den Turm und folgte Seth in die Eingangshalle. Sie bewunderte nur kurz die kreisrunden Goldscheiben mit den Weltkarten darauf und schloss sich dann den anderen an, welche die Südtreppe hinauf gingen.

<< erster Teil (1. Kapitel) | << vorheriger Teil | nächster Teil >>


Die Prüfung der Kandidaten (3/17)

Juni 22, 2009

Teese zog die Nase kraus. Seltsam eigentlich, dass sie keine Fotos von ihren Eltern mitgenommen hatte.
„Es war in der Truhe im Pförtnerhaus“, sagte Rinnir nach einem Moment des beiderseitigen Schweigens. „In der Hälfte mit den nicht zugelassenen Dingen.“
Teese schnappte nach Luft. „Du hast hineingesehen“, wollte sie ungläubig wissen, „und etwas herausgenommen?“
Rinnir nickte mit finsterer Miene. „Als Timar bei Euch so einen Aufstand gemacht hat, dass Magister Elgin und der Pförtner zu Euch gekommen sind. Niemand hat hingeschaut und ich wollte wissen, was nicht zugelassen war. Als ich das Foto gesehen habe… Ich musste es einfach einstecken.“
Teese kaute auf ihrer Oberlippe. Sie wusste nicht, was sie davon halten sollte. Sie hielt es nicht für richtig, Dinge heimlich mitzunehmen, die eigentlich verboten waren. Andererseits verstand sie auch nicht, warum ein harmloses Familienfoto auf Weltenei verboten sein sollte.
Rinnir hielt seine Hand fordernd Teese entgegen und das Mädchen reichte ihm das Foto wieder. „Was ist mit Deinen Eltern?“, wollte er wissen.
Teese war ein wenig aus dem Konzept gebracht. „Was soll mit ihnen sein?“
„Weißt Du, wie sie heißen und wie sie aussehen? Hast Du Geschwister? Was ist mit Haustieren? Wo wohnst Du? Hast Du Freunde? Wie heißen sie?“ Rinnir ließ seine Worte ins Leere laufen.
Teese schluckte. Sie wusste auf keine der Fragen eine Antwort und sie begann zu verstehen, dass Rinnir auch keine wissen würde, würde sie ihn dasselbe über seine Familie fragen. „Meinst Du, sie haben…irgendwie…einen Vergessenszauber benutzt?“, wollte sie schließlich wissen. „Warum?“
Rinnir lehnte sich vor und starrte auf das Bild in seinen Händen. „Ich weiß nicht, aber ich werde es herausfinden. Wirst Du mir dabei helfen?“
Teese zögerte. „Wieso fragst Du das ausgerechnet mich?“
„Fenn und Seth bemerken nicht einmal, dass hier irgendetwas nicht stimmt und Liina anscheinend auch nicht“, erklärte Rinnir. „Aber Du weißt, dass irgendetwas hier falsch ist. Dieser Ort ist falsch. Ich weiß nicht genau, was, aber ich weiß, dass ich noch nie Tiere wie Drachen gesehen habe oder wie Flügelpferde.“
Schritte waren auf der Treppe zu hören und bevor Teese realisierte, was dies bedeutete, klopfte jemand an die Tür, um sie sofort zu öffnen. „Aufstehen, Rinnir, es ist…oh.“ Magister Nabi blickte irritiert zu Teese, die neben dem Jungen auf dem Bett saß. Rinnir hatte das Foto hektisch unter die Matratze gesteckt und presste die Hände in den Schoß.
„Was machst Du denn hier, Teese?“, wollte die Magister wissen.
„Wir…haben uns ein wenig unterhalten.“ Teese raffte ihre Waschsachen.
„Hm.“ Die Magister nickte langsam. „Na, für alles andere seid Ihr wohl auch noch zu jung.“ Sie machte eine Handbewegung zur Tür. „Geh rüber und wecke Linda“, befahl sie Teese.
Das Mädchen musste lachen. „Sie heißt Liina.“
„Heißt sie?“ Die dunkelhäutige Magister schien nachzudenken, während sie zum Zimmer von Fenn und Seth ging und dort klopfte.
Rinnir, der Teese zur Tür gefolgt war, hielt sie am Ärmel fest. „Also?“, wollte er flüsternd wissen.
Teese sah von der Magister, die gerade in dem Zimmer der anderen beiden Jungen verschwand, zu Rinnir. „Ich werde versuchen, ob ich etwas herausfinden kann.“
Er nickte und ließ sie los. „Gut.“
Teese drückte ihre Waschsachen an sich und verschwand in ihrem und Liinas Zimmer. Sie weckte ihre Freundin und half ihr beim Anziehen der Robe. Doch ihre Gedanken kreisten die ganze Zeit um das, was Rinnir gesagt hatte. ‚Dieser Ort ist falsch.‘ Sie verstand, was er damit meinte, war sich aber nicht sicher, wie sie dieser Tatsache einschätzen sollte. Es hatte sie bisher nur verwundert, nicht wirklich beunruhigt.

<< erster Teil (1. Kapitel) | << vorheriger Teil | nächster Teil >>


Die Prüfung der Kandidaten (2/17)

Juni 18, 2009

***

Teese erwachte am Morgen in ihrem neuen Bett in ihrem neuen Zimmer auf Weltenei und starrte einen Moment desorientiert auf den Baldachin, der über ihrem Kopf das Bett überdachte. Aus dem Bett an der gegenüberliegenden Wand hörte man ein kindliches Schnarchen. Liina schlief noch fest und tief.
Teese gähnte und richtete sich auf. Ihre nackten Füße drückten sich in den weichen Teppich mit den gestickten Fabeltieren, als das Mädchen zur Tür schlich. Draußen wurde es gerade hell und bald würde man sie vermutlich wecken. Teese öffnete dennoch möglichst leise die Tür um Liina und die anderen noch ein paar Minuten schlafen zu lassen.
Die Holzdiehlen im Flur fühlten sich glatt und unerwartet warm an, als Teese ins Bad ging. Sie ließ sich Zeit beim Waschen und Zurechtmachen und rief sich die Ereignisse des gestrigen Tages in Erinnerung.
Weltenei war ein riesiger Komplex aus gewaltigen Räumen, Säulenhallen und Gängen mit hohen Glasfenstern. Decken waren mit Gemälden verziert, Wände mit geschnitztem Holz verkleidet und überall war es angenehm kühl. Teese hatte die Hitze des Sommertages erst wieder gespürt als sie und die anderen nach dem Abendessen den Speisesaal, die Taberna Akademika, verlassen hatten und hinunter zu ihrem Haus gegangen waren.
Teese bürstete ihre Haare und band sie zu einem einfachen kurzen Zopf zusammen. Der Blick in den Spiegel zeigte ihr ein kleines Mädchen mit Sommersprossen um die Nase und verschlafen blickenden braunen Augen. Teese zog ihre Robe über und versuchte, die Bänder alleine so zu binden, wie sie gehörten. Sie konnte sich dabei nicht jeden Tag von irgendjemandem helfen lassen als wäre sie ein kleines Kind, das sich nicht alleine anziehen konnte. Teese hängte ihre weiße Schärpe über, griff sich ihre Waschsachen und verließ das Bad.
Sie hatte die Tür in den Gang kaum geöffnet, als sich ihr gegenüber ebenfalls eine Tür öffnete. Sie gehörte zu Rinnirs Zimmer und tatsächlich steckte der Junge auch den Kopf zur Tür heraus in den Gang. „Pst.“ Er winkte ihr, zu ihm herüber zu kommen.
Teese schloss etwas überrascht die Badtür und ging die wenigen Schritte über den Korridor zu Rinnir. Der Junge zog sie energisch in sein Zimmer und warf versichernd einen Blick in den ansonsten aber leeren Gang.
„Ich muss mit Dir reden“, begann Rinnir mit gedämpfter Stimme und deutete zu dem freien Bett seinem eigenen gegenüber.
Das Laken war unbenutzt und sorgsam über Kissen und Decke gezogen. Teese stellte ihre Waschsachen auf ihm ab und setzte sich. Es war ein komisches Gefühl, auf diesem Bett zu sitzen und zu wissen, dass es eigentlich einem anderen Schüler gehören sollte. Warum er wohl nicht gekommen war?
Teese vergrub ihre nackten Zehen in dem dicken Teppich vor dem Bett. Er war mit einer Vielzahl von Tieren bestickt und ähnelte dem in Liinas und ihrem Zimmer. Tiere schienen zu den bevorzugten Motiven von Magister Nabi für die Inneneinrichtung zu gehören. Nach dem, was Teese gestern im Stall im Garten gesehen hatte, wunderte sie dies wenig. Die Magister schien Tiere sehr zu mögen.
Rinnir musterte Teese, während sich das Mädchen im Zimmer umsah. „Ich will Dir etwas zeigen“, fuhr er dann fort. „Aber Du musst versprechen, es niemandem zu verraten.“
Teese öffnete überrascht den Mund, nickte dann aber. „Gut, ich verspreche es.“ Sie war neugierig, was der Junge ihr zeigen wollte.
Rinnir kam zu ihr und hielt dem Mädchen ein viereckiges Stück festen Karton entgegen. Als Teese es nahm, erkannte sie, dass es ein Foto war. Sie erinnerte sich, dass man für diese Fotos eine besondere Kamera brauchte. Man machte das Foto, das Bild kam heraus und man musste es verkehrt herum auf den Tisch legen und einen Moment warten. Ihr Vater hatte ihr einmal gezeigt wie das ging…
Die Erinnerung, die sich so plötzlich gezeigt hatte, verblasste, während Teese versuchte, sie festzuhalten. Inzwischen war ihr dieses merkwürdige Gefühl schon fast vertraut.
Sie seufzte und blickte auf das Foto in ihrer Hand. Es zeigte eine Straße am Meer und einen am Rand geparkten weißen Wagen. Am vorderen Teil standen zwei Erwachsene, eine Frau und ein Mann. In ihrer Mitte saß ein Junge auf der Motorhaube des Automobils und grinste in die Kamera. Es war Rinnir.
„Dreh es um“, forderte der Junge sie auf.
Teese wendete das Foto in ihrer Hand. Die Rückseite war weiß und jemand hatte mit einem schwarzen Stift vier Worte darauf geschrieben. „Mutti, Papa und Daniel“, las sie. Teese drehte das Bild wieder um. „Das bist Du, oder?“
Rinnir nickte.
„Daniel“, wiederholte Teese.
Rinnir zuckte mit den Schultern. „Ich vermute, das ist mein richtiger Name.“
„Richtiger Name?“
Rinnir setzte sich neben Teese auf das Bett und sah wie sie auf das Foto. Er schwieg, während Teese unschlüssig von dem Bild zu dem Jungen neben ihr sah. „Sind das Deine Eltern?“
Er zuckte erneut mit den Schultern. „Ich gehe davon aus.“
„Aber Du weißt es nicht.“
Er schüttelte den Kopf.

<< erster Teil (1. Kapitel) | << vorheriger Teil | nächster Teil >>


Die Prüfung der Kandidaten (1/17 – Intro)

Juni 15, 2009

Pim sah aus dem Fenster des Klassenzimmers und versuchte, seine innere Unruhe zu bezwingen. Ein Pausenhof erstreckte sich im Nieselregen vor dem Fenster. Auf den regennassen Boden war eine bunte Schlange mit Zifferfeldern gemalt, die man wohl der Reihe nach abhüpfen sollte. Ansonsten wirkte der Pausenhof grau und monoton.
Der Magier seufzte stumm und drehte sich um. Die Decke des Klassenzimmers war mit grellen Neonröhren bestückt, welche den Raum in ein unangenehm helles Licht tauchten. Der Geruch von Knete, Putzmitteln und einem Filzboden lag in der Luft und verstärkte Pims Nervosität. Er mochte die alte Welt nicht. Er würde froh sein, wenn sie wieder in der vertrauten Umgebung von Weltenei sein würden.
Das Portal in die andere Welt war in seinen Augen viel zu weit entfernt und selbst wenn sie ein Flugzeug nehmen würden, würden sie mehrere Stunden benötigen. Er hasste das Gefühl, ohne Magie auskommen zu müssen, auch wenn er hier in der alten Welt nun Fähigkeiten besaß, welche den magischen entsprachen. Hier besaß er Wissen um Dinge, die er nie gelernt hatte. Vermutlich würde er sogar ein Automobil fahren können. Er konnte auf einem fliegenden Pferd reiten. Wenn das kein mehr als passendes Gegenstück zu einem Automobil war, wusste er auch nicht.
Elgin, der am Tisch des Lehrers an der Kopfseite des Raumes saß, lächelte Pim aufmunternd zu. Den anderen Magister schien nie etwas aus der Ruhe bringen zu können. Dabei musste auch er es fühlen. Die Aura des neuen Kandidaten war so stark, dass Pim das Gefühl hatte, der ganze Raum würde in Flammen stehen. Es machte ihm ein wenig Sorgen und Elgin sollte es auch Sorgen machen.
Andererseits was es das erste Mal, dass Elgin in die alte Welt zurückkehrte, um nach magisch talentierten Schülern für Weltenei zu suchen. Vermutlich wusste er nicht einmal, wie sich eine Aura in der alten Welt normaler Weise anfühlte.
Pim überblickte das Klassenzimmer mit den kleinen Viertklässlern, welche mehr oder weniger eifrig über die Papierbögen vertieft waren, die Elgin ihnen ausgeteilt hatte. Der Lehrer, ein junger Mann mit dunkelbraunen Locken und einem sanften Gesichtsausdruck ging im Raum herum und musterte hier und da interessiert die Arbeit der kleinen Schüler.
Pim hasste diese Farce. Natürlich musste man Dinge erklären, wenn man Kinder aus dieser Welt in die andere brachte. Und natürlich war ein Eliteinternat irgendwo weit von der elterlichen Heimat entfernt eine gute Erklärung. Aber mussten sie deswegen dieses Theater mit den Prüfungsbögen durchziehen? In der Regel wusste Pim beim Betreten des Raumes, welches Kind die magische Begabung besaß. Er brauchte keine Prüfungsbögen. Er hasste diese Scharade.
Das Problem war, dass er sie dieses Mal vielleicht doch benötigen würde. Die Aura des Kindes war viel zu stark, als dass er sie zielgerichtet zuordnen konnte. Er würde sich auf das verlassen müssen, was er spürte, wenn er die einzelnen Prüfungsbögen in den Händen hielt. Auf sie musste ein Teil der magischen Aura übergegangen sein bei der Konzentration, welche die Viertklässler an den Tischen vor Pim an den Tag legten.
Natürlich würde er die Aura auch durch direkte Berührung spüren können. Aber Pim war sich nicht sicher, ob das ohne Schaden für ihn ablaufen würde. Außerdem wollte er nicht das Risiko eingehen, durch die Berührung mit dem Kind verbunden zu werden.
Für eine solch starke Aura gab es in seinen Augen nur eine mögliche Erklärung: Weltenei rief das Kind zu sich und das bedeutete, dass es ein Mädchen sein musste. Pim konnte sich gut vorstellen, wie Dekan Ezzo in diesem Moment voll Unglauben in die Quelle der Welten sah und ihren Namen las. Er würde wohl den Schock seines Lebens bekommen. Niemand erfuhr gerne, dass sich sein eigenes Leben dem Ende neigte. Pim kniff die Lippen zu einem unwilligen Strich aufeinander.

***

<< erster Teil (1. Kapitel) | << vorheriger Teil | nächster Teil >>


Die Schule der Magier (18/18)

Juni 12, 2009

Magister Elgin hielt eine große Tür auf, kaum dass sie den ersten Treppenabsatz erreicht hatten, und die Kinder betraten die Bibliothek.
„So viele Bücher“, staunte Liina, welche neugierig als eine der ersten in die Bibliothek gegangen war.
Fenn schob sich vor Teese durch die Tür. „Ich hoffe, wir müssen die nicht alle lesen“, sagte er. Der dunkelhäutige Junge teilte Liinas Begeisterung nicht wirklich.
Teese beeindruckten die unzähligen Büchersregale über mehrere Etagen und Galerien zutiefst. „Kein Leben ist lang genug, um sie alle zu lesen“, entschied sie, ohne lange darüber nachdenken zu müssen.
Die Bibliothek war sieben Stockwerke hoch und Regale standen dicht gedrängt in jedem Stockwerk an der kreisrunden Turmwand. Treppen verbanden die Galerien miteinander, während der Innenraum eines jeden Stockwerks frei gelassen war und den Blick bis hinauf zur hohen Decke ermöglichte.
Teese konnte eine weitere goldene Scheibe dort oben sehen und ein Blick auf den Boden verriet ihr, dass auch hier eine Weltscheibe eingelassen worden war. Vielleicht war es sogar dieselbe, die sie in der Decke der Eingangshalle gesehen hatten.
„Die Bibliothek steht allen Studenten offen.“ Magister Elgin hatte die Stimme gesenkt, um die an Tischen über ihre Bücher gebeugten Schüler nicht zu stören. „Beachtet aber, dass die verschiedenen Bereich nur Magiern einer bestimmten Stufe vorbehalten sind. Ihr als Kandidaten und Träger der weißen Schärpe habt Zugang zu allen Büchern in diesem Stockwerk. Für das darüber müsst Ihr Euch die rote Schärpe erwerben, für die dritte eine orangefarbene und für die vierte eine gelbe. Wenn Ihr Magisteranwärter seid und eine grüne Schärpe tragt, könnt Ihr die Bücher im fünften Stockwerk einsehen. Wir Magister und Träger der blauen Schärpe haben Zugang zum sechsten Stockwerk. Die siebte Etage ist dem Träger der violetten Schärpe vorbehalten, dem Weisesten von uns allen, Dekan Ezzo.
„Was für Bücher stehen dort?“, wollte Fenn neugierig wissen.
Magister Elgin wiegte nachdenklich den Kopf. „Ich habe keine Ahnung. Das müsstest Du den Dekan fragen.“
„Sie hat außer ihm wirklich niemand bisher gesehen?“ Fenn machte große Augen.
„Doch, seine Vorgängerin natürlich und deren Vorgänger.“ Der Magister machte eine vage Handbewegung. „Sofern sie die violette Schärpe getragen haben. Es gab Fälle in der Geschichte von Weltenei, in welcher dies nicht der Dekan war. In der Regel ist der Weiseste von uns aber immer auch Hüter von Weltenei.“
Teese hatte den Kopf in den Nacken gelegt und sah die sieben Stockwerke der Galerien mit ihren schmalen Geländern hinauf. Der oberste Stock übte einen merkwürdigen Reiz auf sie aus. Sie würde zu gerne einmal eines dieser Bücher in den Händen halten, die dem besten der Magier vorbehalten waren. Was wohl in ihnen stand?
„Ich denke aber, das würde jetzt zu weit führen“, fuhr Magister Elgin fort und als Teese ihren Blick zu ihm wandte, bemerkte sie, dass er sie bei seinen Worten angesehen hatte. „Ihr werdet in den nächsten Wochen im Unterricht mehr als genug von solchen Dingen erfahren. Gehen wir jetzt weiter in die Wandelhalle und den Kreuzgang. Außerdem wollte ich Euch noch das Hospital, das Skriptorium und das Auditorium Maximum zeigen und dann müssen wir wohl schon in die Taberna Akademika…“ Seine Worte verhallten, während er die Bibliothek verließ.
Die Gruppe der jungen Kandidaten folgte dem Magister zurück ins Treppenhaus. Als sie sich umwandte, bemerkte Teese zwischen zwei Regalen ein blonder Haarschopf. Dort stand der Sohn des Dekans, Timar, ein Buch im Arm und sah zu dem Mädchen, als sie die Bibliothek verließ. In seinen Augen spiegelte sich stummer Hass, der Teese schaudern und sie beeilen ließ, den anderen zu folgen.

<< erster Teil | << vorheriger Teil | nächster Teil >>


Die Schule der Magier (17/18)

Juni 8, 2009

Teese zupfte nachdenklich an ihrer weißen Schärpe, welche die kräftigen Arme des Dekans ihr umgehängt hatten. Sie fragte sich, welche Aufgaben er als ‚Hüter von Weltenei‘ und ‚Bewahrer der Quelle der Welten‘ zu erfüllen hatte. Was war überhaupt diese Quelle der Welten?
Diese Fragen würde sie nicht so schnell beantwortet bekommen. Wo sich die Quelle der Welten befand, wusste Teese hingegen bereits wenige Minuten später. Magister Elgin hatte es übernommen, die neuen Schüler durch das riesige Hauptgebäude und den Turm zu führen, der sich auf Weltenei erhob.
Der Magieturm, wie das Bauwerk genannt wurde, besaß eine gewaltige Eingangshalle. An ihrer Außenwand führten vier Treppen nach oben in den nächsten Stock. In der Decke war ein großer, goldener Metallkreis eingelassen, welcher die Erde als Scheibe zeigte.
Die Goldscheibe in der Decke war so weit über den Köpfen der Schüler befestigt, dass Teese kaum mehr erkennen konnte, als dass verschiedene Länder auf der Erdscheibe eingraviert waren. Sie glaubte, die beiden Teile von Amerika erkennen zu können und Afrika und Europa auf der gegenüberliegenden Seite. Dadurch, dass alles auf einer kreisrunden Scheibe dargestellt war, wirkte die Anordnung der Kontinente allerdings ungewohnt und die Schriftzüge auf der gravierten Goldkarte konnte Teese nicht entziffern.
Einfacher war dies bei dem Gegenstück der goldenen Weltkarte auf dem Boden. Auch diese Scheibe war kreisrund und in den Stein eingelassen. Vor ihr führten zwei Treppen in einem Halbrund in ein tieferes Stockwerk. Eine verschlossene Tür verhinderte den Blick auf das, was sich unter der Goldscheibe befand.
„Das hier“, erklärte Magister Elgin, bevor einer der Kinder die Frage stellen musste, „ist der Eingang zur Quelle der Welten. Dies ist der Ort, an welchem Ihr am Ende des Halbjahres die letzte Prüfung absolvieren müsst und dort zeigt sich auch wie stark Euer magisches Talent ist.“
Teese konnte sehen, dass Seth bei den Worten leicht schauderte. Allerdings ging sie davon aus, dass er sich darüber keine Sorgen machen musste. So wie er mit magischen Tieren umgehen konnte, musste das eine magisches Talent sein und sicher war es stark. Magister Nabi schien jedenfalls mit ihm sehr zufrieden gewesen, nachdem er das Einhorn gefüttert hatte.
„Der Zutritt zu der Quelle“, rissen Magister Elgins Worte Teese aus ihren Gedanken, „ist den Rest des Jahres für Kandidaten verboten, ebenso wie für höhere Studenten und die Magister. Nur der Dekan hat Zugang zu der Quelle der Welten, wann immer es ihm beliebt. Er entscheidet, wer den Quellraum betreten darf und wer nicht.“ Magister Elgin sah in die Runde der versammelten Kinder. „Also kommt nicht auf dumme Gedanken“, fügte er hinzu und wohl nicht ganz zu Unrecht.
Fenns Blick lag mit großer Neugier auf der schlichten Holztür, welche den Raum unter der goldenen Weltscheibe verschloss. Und sogar Rinnir schien Teese die Tür abschätzend zu mustern, als würde er nur zu gerne einmal einen Blick hinter sie werfen.
„Gehen wir nun hinauf in die Stockwerke der Bibliothek“, wies Magister Elgin die frischgebackenen Kandidaten an.
Die Gruppe folgte dem Magister zu einer der Treppen, welche an der runden Turmwand hinauf führte. Teese konnte bei einem Blick in die Höhe feststellen, dass sie eine Art äußeres Treppenhaus betraten, welches unendlich in die Höhe zu reichen schien.
„Alle vier Treppen führen in den Turm hinauf“, sagte Magister Elgin, während die Kinder ihm nach oben folgten. „Dies hier ist die Nordtreppe und sie führt zur Bibliothek. Gegenüber liegt die Südtreppe, welche zu den Schreibstuben, den Werkstätten und den Übungsräumen führt. Die Osttreppe bringt Euch zu den Studienzimmern der Magister und die Westtreppe zu den Arbeitszimmern der älteren Schüler.“
Fenn war am Geländer stehen geblieben und sah wie Teese nach oben. „Ziemlich hoch“, stellte er fest.
Teese nickte. Ob die Treppe bis in die Spitze des Turmes führen würde, bis zu dem goldenen Engel auf dem Dach?

<< erster Teil | << vorheriger Teil | nächster Teil >>


Die Schule der Magier (16/18)

Juni 5, 2009

Liina war eine der nächsten, die nach vorne traten und dann Fenn. Eine Weile später war die Reihe an Rinnir und Seth und dann wurde Teese aufgerufen.
Das Mädchen ging nach vorne und beugte sich leicht vor, als der Dekan ihr die Schärpe umlegte. Durch seine kurze Bewegung wurde ein süßlich-frischer Duft Teese entgegen getragen, der ihr seltsam bekannt vorkam.
„Viel Erfolg, Kandidatin Teese“, sagte der Dekan und reichte dem Mädchen die Hand.
Teese sah auf und spürte, wie sie erstarrte. Sein Blick ruhte mit einer solchen Intensität auf ihr, dass sie schlucken musste – als könne er mit seinen Augen direkt in ihre Seele blicken und das Lächeln auf seinem Gesicht wollte dazu nicht so recht passen.
„Danke, Dekan“, brachte Teese mühsam hervor.
Er ließ ihre Hand los und nickte ihr kurz zu. Dann richtete er sich auf und Magister Elgin las den nächsten Namen vor.
Teese hatte es unvermittelt recht eilig zu den anderen Schülern zu kommen. Ein wenig außer Atem gesellte sie sich zu Liina.
„Hast Du es bemerkt?“, wollte die kleine Chinesin flüsternd wissen. „Er riecht nach Zitronengras.“ Sie grinste. „Toll, jetzt habe ich Hunger…“
Die Worte lösten Teeses innere Anspannung und sie kicherte. Zitronengras. Jetzt, da Liina es sagte, erinnerte sie sich auch daran, woher sie den Geruch kannte. Zu Hause hatten sie ein Tube mit Zitronengras-Gel in der Dusche stehen. Es gehörte…ihrer…
Teese versuchte, den Gedanken festzuhalten. Doch so schnell er gekommen war, verflog er wieder, genauso wie der Duft des Zitronengrases.
Die restlichen Schärpen waren schnell vergeben. Teese war überrascht darüber, wie schnell die Zeremonie vorüber war. Dekan Ezzo erklärte, dass er ihnen viel Glück für die bevorstehenden Vorprüfungen wünschte und dass er sie alle in einem halben Jahr zum ersten Examen wiedersehen würde.
Ein Seitenblick auf Seth und Fenn verriet Teese, wie erfreut die beiden Jungen beim Gedanken an diese Prüfungen waren. Rinnirs Gesicht hingegen wirkte vollkommen unbeeindruckt und fast steif. Liina war damit beschäftigt, ihre neue weiße Schärpe ordentlich zu richten und hatten vielleicht nicht einmal zugehört.
„Magister Elgin wird im nächsten halben Jahr Euer Ansprechpartner für alle Fragen sein, die mit Weltenei zu tun haben, sowie den Kursen, welche ihr belegt.“ Der Dekan sah noch einmal in die Runde. „Macht uns keine Schande und lernt fleißig.“
Er wandte sich an den Magister und wechselte ein paar Worte mit gesenkter Stimme mit dem jungen Mann, um sich wenig später durch die goldene Flügeltür in die Halle mit den großen Fenstern zurückzuziehen.
Magister Elgin nahm seinen Platz in der Mitte der Stufen ein und verkündete den weiteren Ablauf des Tages. Teese überlegte, dass er im Vergleich zu dem Dekan kaum mehr war als ein dürrer, zerbrechlich wirkender Strich in der Landschaft. Magister Elgin war hochaufgeschossen und wirkte schlaksig, während Dekan Ezzo wie eine mächtige Eiche wirkte, der kein Sturm etwas anhaben konnte.

<< erster Teil | << vorheriger Teil | nächster Teil >>


Leser fragen, h3nri3tt4 antwortet (Folge 1)

Juni 3, 2009

Nachdem inzwischen ein paar Fragen von Lesern per Mail und (von denen, die mich privat kennen) über ICQ oder meine Internetforen zum Roman, zu den Charakteren und zum Fortgang von Weltenei aufgelaufen sind, dachte ich mir, dass es Zeit für eine Leserbrief-Rubrik wird. Hier also die erste Folge von „Leser fragen, h3nri3tt4 antwortet“. Wenn auch Ihr Fragen habt, könnt Ihr mir gerne an h3nri3tt4@googlemail.com mailen (aufgrund des Mailfilters schreibt aber bitte nur „Fragen“ in die Betreffzeile, damit die Mail nicht verlorengeht) oder hinterlasst die Frage im Kommentarbereich.

1. Frage: Wie spricht man „Teese“ eigentlich aus?

Die Namen im Roman sind alle auszusprechen wie es das Hochdeutsch erwarten lassen würde, d.h. keine englische Aussprache, auch wenn man das bei Teese fälschlicher Weise vermuten könnte. Man spricht sie daher genauso aus wie das deutsche Wort „These“. Gut möglich, dass diese gleiche Lautung einen Grund hat. Gut möglich, dass es aber auch nicht der Fall ist.

2. Frage: Wird Teese im Laufe des Buches erwachsen?

Ja, wir werden Teese und ihre Freunde (sowie Feinde) fast durch ihr ganzes Leben begleiten. Für das große Finale hatte ich irgendwas zwischen 20 und 40 als Alter angesetzt. Das ist allerdings noch recht lose und hängt davon ab, wieviel Handlung letzten Endes noch davor ablaufen wird. Allerdings werden wir das nicht alles in einem Buch durchbekommen. Im ersten Band wird Teese wohl 9 Jahre bleiben. Der nächste wird dann vermutlich ein paar Jahre zusammenfassen.

3. Frage: Wie weit hast Du Deine Geschichte vorgeplant?

Ich entwerfe meine Geschichten immer in groben Zügen, bevor ich anfange, d.h. ich weiß auf was es im großen Ganzen hinauslaufen wird, wer die Guten sind und wer die Bösen und warum sie tun, was sie tun. Außerdem durchdenke ich meine „Welt“ und schreibe darüber vorher eine Art Briefing von ca. 5 Seiten. Das heißt, ich könnte Euch jetzt schon verraten, wie die Geschichte ausgeht, in einzelnen Handlungszügen lasse ich mich aber während des Schreibens inspirieren. Und bei einigen Figuren weiß ich auch noch gar nicht, auf welcher Seite sie stehen werden und was ihre weitere Rolle sein wird.

4. Frage: Wie weit bist Du schon mit der Geschichte?

Zurzeit schreibe ich am fünften Kapitel. Ein Kapitel – ich schreibe in Word – hat ungefähr 21 Seiten (bei 18 zu postenden Teilen). Das heißt ist bin im Augenblick irgendwo auf Seite 87 und somit dem geposteten Roman natürlich weit voraus. Wenn ich schreibe, schreibe ich pro Tag meist eine Seite. Da ich aber zurzeit nur nebenbei an Weltenei schreibe, ist das nicht jeden Tag der Fall – leider.

5. Frage: Spielt die gesamte Handlung in Weltenei?

Der Großteil der Handlung auf alle Fälle. Allerdings wird die Welt um Weltenei zunehmend wichtiger werden. Die Schule ist immerhin nicht nur von Meer umgeben. Am Festland gibt es eine kleine Stadt mit Namen Thorhafen (alte Schreibung von „Tor“ nicht vom germanischen Gott), die zu einer Grafschaft mit Namen Awrosch gehört. Davon wird es wohl im zweiten Band viel zu sehen geben. Außerdem wird ein Teil der Handlung (wie jetzt schon in den kursiv gesetzten Intros, die zu jedem Kapitel gehören) in unserer, der „alten“ Welt spielen.

So, das war es dann fürs Erste aus dieser Rubrik. Für die heutigen Fragen danke ich Müsli, Eulalia, Mina und Candyfee87.

Liebe Grüße,

h3nri3tt4