Die Schule der Magier (14/18)

Mai 29, 2009

„Was, wo?“ Liina sauste sofort los und Teese heftete sich an ihre Fersen.
Die Straße führte durch einen gemauerten Torbogen und weitete sich dahinter zu einer breiten Plattform, die kreisrund war. Gerade landeten zwei Flügelpferde darauf und ihre Reiter saßen ab, um die Tiere zu einem Gebäude mit großen, offenstehenden Türen zu führen. Im Halbdunkel konnte Teese Stallungen erkennen. Jemand hatte ein weiteres fliegendes Pferd herausgeholt und legte ihm einen Sattel auf. Seth stand daneben und hielt das Pferd am Halfter.
„Seth kann echt gut mit Tieren umgehen“, stellte Liina außer Atem das Offensichtliche fest.
„Ja, irgendwie hat er einen richtigen Draht zu denen“, stimmte Fenn zu. Der dunkelhäutige Junge grinste. „Er wusste schon, dass hier die Pferde sind, bevor wir sie sehen konnten.“
Teese wandte den Blick und sah zu, wie ein weiteres Flügelpferd in einem geschwungenen Bogen auf die Insel zuhielt und langsam an Höhe verlor. Als es den Rand der Plattform erreichte, schlug es mit seinen aufgestellten Flügeln und bremste seinen Flug ab, wie ein Vogel, der auf einer Fensterbank zu landen versuchte. Zuerst berührten die hinteren Hufen des Flügelpferdes den Boden, dann die vorderen.
Sein Reiter saß ab. „He, Ihr. Steht hier mal nicht so im Weg herum.“
Teese beeilte sich weiter zu gehen. Sie standen wirklich mitten auf dem Landeplatz der fliegenden Pferde und sicherlich wirklich im Weg.
„Seth, wir wollen weiter“, rief Fenn nach hinten, während sich die vier Kinder wieder in Bewegung setzten.
„Ich glaube, hier sind wir richtig“, stellte Teese mit einem Blick die Straße entlang fest.
„Ach?“ Fenn sah irritiert zu ihr. „Und warum?“
„Weil dort vorne andere Kinder sind, die mit uns mit den Booten hierher gekommen sind.“
Liina grinste. „Und sicherlich haben die einen Magister erwischt, der ihnen genau gesagt hat, wo sie hin müssen.“
Seth schloss zu den anderen auf. „Ich mag Magister Nabi“, stellte er ein wenig steif fest.
„Klar, ich finde sie auch nett.“ Liina wirkte unbekümmert. „Aber sie ist ein wenig…“
„…verplant“, half Teese aus. „So hat Icus es ausgedrückt.“
Die fünf Kinder erreichten das Ende der Straße und fanden sich auf der Spitze des Inselberges wieder. Teese drehte sich um und sah über die Häuser, die sich an den Berg schmiegten. Die Dächer waren dunkel mit einem leichten Blauton, welcher den Himmel zu spiegeln schien. Man konnte das Meer vor der Insel sehen und dahinter das Festland, ein Streifen Küste in sandfarbenem Fahlgelb mit hellgrünem Gras und in der Ferne das dunkle Grün von Wäldern.
Zwei Flügelpferde flogen von der Landefläche hinter ihnen in den Himmel. Teese konnte einen kleinen, geflügelten Drachen mit hektischen Flatterbewegungen ein Stück neben ihnen in der Luft sehen. Seine Schuppen glänzten in einem metallischen Grün.
„Er sieht ganz anders aus als der rote Drache an der Mole“, stellte Teese fest und wandte ihren Blick. Doch neben ihr stand nur noch Rinnir. Die anderen drei waren bereits auf dem Weg zu der Halle, welche seitlich vor dem großen Turmkomplex lag. Große, goldene Türen waren einladend weit geöffnet.
„Kennst Du Dich aus mit Drachen?“, wollte Rinnir wissen und folgte Teeses Blick gegen den Himmel.
Teese schüttelte den Kopf. „Nein, eher nicht.“
„Aber Du hast schon einmal welche gesehen, oder?“, bohrte Rinnir nach.
Teese zuckte mit den Schultern. „Ehrlich gesagt…ich glaube nicht.“
Rinnir nickte langsam, als würde er über irgendetwas nachdenken. „Findest Du das nicht merkwürdig?“
Teese wählte ihre Worte abwägend. „Die anderen scheinen es nicht seltsam zu finden. Für sie scheint alles hier normal zu sein.“
Rinnir nickte erneut. „Das habe ich auch bemerkt. Aber Du findest es merkwürdig, nicht wahr?“
„Ja.“
Rinnir nickte als würde er Teeses Ansicht teilen und kaute auf seiner Unterlippe. Beide Kinder sahen nachdenklich zu den fliegenden Pferden, welchen der grünschimmernde Drache mit schnell vibrierendem Flügelschlag auswich.
„Te-ese. Komm schnell, es geht los“, hallte Liinas Stimme zu ihnen herüber und ließ Rinnir förmlich zusammenzucken.
Teese fuhr herum und sah, wie die anderen Kinder durch die Tür mit ihren goldenen Flügeln gingen. „Beeilen wir uns besser“, sagte sie zu Rinnir.
Der Junge nickte stumm und eilte mit Teese zu dem Langbau und durch die offenstehenden Goldtüren in die Kühle des Gebäudes.

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Mehr Weltenei im Web

Mai 25, 2009

Auch wenn es draußen inzwischen gefühlter Hochsommer ist und keineswegs Frühling, habe ich mir den Vormittag frei genommen und die Kategorien des Blogs in einem kleinen Frühjahrsputz ein wenig neu angeordnet, damit auch neue Leser es ein wenig einfacher haben und nun hoffentlich auf einen Klick finden, wo der Roman anfängt. Jedenfalls hoffe ich, dass der Begriff „Inhaltsverzeichnis“ in dieser Beziehung eindeutig genug sein sollte.

Außerdem haben wir jetzt auch eine eigene Homepage. Aber bevor jeder von Euch dorthin (http://freenet-homepage.de/fantasy-roman/index.html) klickt, in der Hoffnung, dort irgendetwas Neues zu finden: Nein, noch gibt es dort nichts, was es hier nicht auch gibt. Wozu also eine weitere Seite? Nun, zum einen unterscheiden Suchmaschienen zwischen Blogs und „normalen“ Pages. Bei einer Homepage habe ich zudem gestalterisch mehr Freiheiten als hier (weshalb ich glatt das Seitendesign von hier dort nachgestellt habe – also unheimlich kreativ).

Am Wichtigsten war mir aber, dass ich einen Ort habe, an welchem ich die fertigen Kapitel als PDFs hochladen kann und von wo aus Ihr sie herunterladen könnt – so Ihr Weltenei auch in ausgedruckter Form lesen möchtest. Das dürfte wichtiger werden, je weiter wir kommen. Welcher Neueinsteiger möchte sich schon einmal quer durch das ganze Blog lesen? Nach wie vor liest es sich auf Sofa oder Bett doch netter als vor dem Computer, oder?

Liebe Grüße,

h3nri3tt4


Die Schule der Magier (13/18)

Mai 25, 2009

„So, und nun?“, wollte Fenn schließlich wissen.
„Nun trinken wir den Eistee aus und gehen zu dieser Schärpenübergabe“, entschied Liina.
„Fein, weißt Du auch, wo die ist?“, hielt Fenn dagegen.
Teese stütze die Arme auf den Tisch. „Es war von einer Halle die Rede, in die wir sollen.“
„Und die ist wo?“ Fenn wirkte ein wenig entnervt.
„Bestimmt oben irgendwo“, meinte Teese. „Hier sind alles Wohnhäuser oder Lager. Vielleicht ist die Halle in einem der Gebäude um den Turm.“ Der goldene Engel, welcher sich auf den Zehenspitzen in den Himmel aufrichtete und die höchste Spitze des Turms bildete, hatte sie sehr beeindruckt.
„Und selbst wenn nicht“, unterstützte Liina sie, „so schadet es nichts, wenn wir uns das alles schon einmal ansehen, oder? Ich bin neugierig, was es hier alles zu entdecken gibt.“ Die kleine Chinesin rieb sich freudig die Hände.
„Was ist mit Dir, Rinnir?“, wollte Fenn wissen und sah zu dem blassen Jungen mit den kinnlangen, dunkelblonden Haaren.
Er schrak auf. „W-was soll mit mir sein?“
„Du bist so still“, antwortete Liina an Fenns Stelle. „Ist Dir nicht gut? Hast Du Heimweh?“
„Nein.“ Entschieden wedelte Rinnir mit den Händen. „Nein, das ist es nicht. Ich bin nur…ein wenig müde. Ich bin gestern spät ins Bett gekommen.“
„Das erklärt auf alle Fälle, warum Du so blass bist“, nickte Liina.
„Blass? Bin ich blass?“
Teese stand auf und brachte ihr Glas hinüber zu dem Regal an der Wand. Einen Augenblick sah sie sich nach einer Spüle um, da sie das Glas kaum benutzt zurück ins Regal stellen konnte. Doch von einer Spüle oder einem Waschbecken fehlte jede Spur. Teese überlegte noch, ob sie nach oben ins Bad gehen sollte, um ihr Glas auszuwaschen, als ihr Blick auf das Glas in ihrer Hand fiel.
Obwohl sie es gerade benutzt hatte und es noch vor wenigen Minuten mit Eistee gefüllt war, war das Glas eindeutig sauber und sah wie eben aus dem Regal genommen aus.
„Seltsam.“
Teese drehte das Glas nachdenklich in ihrer Hand, während sie mit einem Ohr die Unterhaltung der anderen am Tisch verfolgte. Langsam stellte sie das Glas zu den übrigen Gläsern ins Regal.
„Praktisch.“ Liina war neben sie getreten und stellte ihr leeres Glas neben das von Teese. „Bestimmt ist das irgendein Zauber.“
„Wenigstens entfällt damit der Küchendienst.“ Fenns grinsendes Gesicht strahlte höchste Zufriedenheit aus. „Ich kann Küchendienst nämlich nicht ausstehen.“
Die fünf Kinder verließen das Haus und machten sich auf den Weg, die Straße entlang, den Inselberg hinauf. Die Sonne zeichnete die Dächer der schmalen Häuser auf das schwarze Pflaster. Außer ihnen waren nur wenige Leute unterwegs.
Die meisten Passanten waren ältere Kinder, Erwachsene waren kaum unter ihnen. Teese bemerkte, dass alle, denen sie begegneten, die dunkle Robe trugen, die auch sie und die anderen übergezogen hatten. Darüber waren Schärpen in verschiedenen Farben gestreift. Ein paar jüngere Kinder trugen weiße Schärpen oder rote, die älteren von ihnen orangefarbene oder leuchtend gelbe. Die Erwachsenen trugen fast ausnahmsweise grüne oder blaue Schärpen.
Die blauen – entschied Teese – waren die Schärpen für die Magister. Magister Elgin hatte eine solche getragen, ebenso wie Magister Nabi und die Magister in den Häusern, in welchen die ersten Kinder aus ihrer Gruppe untergebracht worden war.
„Sag mal, Teese“, griff Liina die Unterhaltung auf, während sie die Straße hinauf gingen. „Bist Du irgendwie eine berühmte Magierin oder so was?“
Die Jungen waren schon etwas vorausgegangen und Teese konnte Fenn lachen hören, während er Seth und Rinnir etwas von einer Nixe erzählte, die er bei der Überfahrt gesehen hatte.
„Ich – Nein…“ Teese schüttelte den Kopf. „Wie kommst Du darauf?“
Liina spielte mit einem ihrer blauen Seidenbänder, welches ihre Haare zu Schnecken gesteckt zusammenhielt. „Ach, nur weil der Idiot im Pförtnerhaus gemeint hat, dass er sich nicht von Deinem Namen beeindrucken lassen würde. Und dann hat die Magister zu Icus so eine komische Andeutung gemacht.“ Sie sah Teese von der Seite an. „Dass man Dich in Ruhe lassen solle und sie keine Lust hätte, dass wegen Dir ständig Gaffer ins Haus kommen würden.“
Teese schluckte. Damit hatte sie nicht gerechnet. „Oh, also ich wüsste jedenfalls nicht, warum ich irgendwas Besonderes sein sollte.“
Liina zog ihre Nase kraus. Teese war das irgendwie unangenehm. So war sie ganz froh, als Fenn das Thema fürs erste beendete, indem er sich zu den Mädchen umdrehte und posaunte, „Beeilt Euch mal ein wenig. Seth hat die fliegenden Pferde gefunden.“

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Die Schule der Magier (12/18)

Mai 22, 2009

Seth schob die Hände in die Taschen seiner Robe und schlenderte ohne viel Eile zur Tür. Teese beeilte sich, ihm zu folgen und die Katze schloss sich ihr an.
„Du kennst Dich toll aus mit“ – Teese zögerte – „Tieren.“ Sie warf im Vorbeigehen einen kurzen Blick auf die Chimäre. Ob jeder Magister sich solche Tiere hielt?
„Nein, nicht sehr“, murmelte Seth.
„Aber Du weißt, wie man ein Einhornfohlen füttert und was eine Chimäre ist“, widersprach Teese energisch.
„Die Magister hat mir vorhin ein wenig über Chimären erzählt“, antwortete Seth. „Und das war das erste Einhorn, das ich je gesehen habe – denke ich.“ Er sah über seine Schulter zu Teese und seine Augen glänzten begeistert. „Aber ich mag es sehr. Tiere sind viel leichter zu verstehen als Menschen.“
„Uhm, wenn Du meinst“, brachte Teese hervor.
„In Tiere kann man ganz einfach hineinhören“, sagte Seth. Sein Blick glitt kurz zu den Schweinen in der ersten Box. „Menschen sind irgendwie…verschlossen.“
Teese war sich nicht sicher, ob sie Seth richtig verstand. „Aber Menschen können sprechen und Dir sagen, was sie fühlen und wie es ihnen geht.“
Seth schnaubte fast ein wenig angewidert. „Aber meist lügen sie und zeigen nicht, was sie wirklich denken. Tiere lügen nie. Und wenn man in sie hineinhört, merkt man auch, wenn etwas nicht in Ordnung ist.“
Der Junge verließ den Stall und Teese folgte ihm ins Freie. Die Katze tappte den Kindern hinterher, ohne sich sonderlich zu beeilen. Sie folgte den beiden auch ins Haus, wo sie sich ein Stück hinter der Tür auf den Boden setzte und sich wieder zu putzen begann.
Teese ging zum Tisch, an dem Liina ihr einen Platz neben sich freigehalten hatte. Fenn und Rinnir waren ebenfalls herunter gekommen und saßen neben der Magister, jeder mit einem Glas Eistee vor sich.
„Ich dachte mir schon, dass es genau die richtige Aufgabe für Dich ist“, begrüßte die dunkelhäutige Frau mit den roten Haaren Teese und Seth zurück. Wobei ihre Worte wohl in erster Linie dem Jungen galten, den sie mit einem warmen Lächeln ansah.
Teese setzte sich neben Liina und nippte schweigend an dem eisgekühlten Tee, der süß und nach Zitrone zugleich schmeckte. Sie beneidete Seth ein wenig für sein offensichtliches Gespür für Tiere. Sie hätte auch gerne ein Einhorn gefüttert.
„Dann trinkt mal Euren Tee“, fuhr Magister Nabi fort und ruht Euch noch ein wenig aus. „Wie ich den Dekan kenne, wird man Euch den Rest des Tages bis zum Abendessen einmal quer durch Weltenei scheuchen. Vielleicht machen sie heute sogar schon die ersten Vorprüfungen. Ezzo ist besessen von einer straffen Wissensvermittlung. Einfach keine Geduld mit der Jugend, der Mann.“
„Vorprüfung?“, wollte Fenn wissen und er wirkte genauso unglücklich wie Seth, der neben ihm Platz genommen hatte.
„Nun, als erstes werden sie Euch wohl die Schärpen geben“, überging die Magister die Frage. „Weiß für die Kandidaten. Die schnellen Lerner unter Euch könnten sie schon im nächsten Schuljahr gegen die Roten tauschen. Aber man sollte sich nicht unnötig unter Druck setzen. Das sage ich immer wieder.“
Teese sah fragen zu Liina, doch die zuckte nur mit den Schultern, grinste dann und die beiden Mädchen kicherten. Magister Nabi zog irritiert eine Augenbraue hoch. „Habe ich etwas Komisches gesagt?“
„Nein, nein, nicht wirklich“, prustete Liina.
Teese war irgendwie erleichtert, dass sie wohl nicht die einzige war, für die alles das neu war. Natürlich war sie hier, um auf die Schule zu gehen. Ihre Eltern hatten sie auf dieses Internat geschickt, aber von weißen Schärpen, Kandidaten und Vorprüfungen hatte sie nicht die geringste Ahnung, genauso wenig wie von Chimären und Einhörnern.
Ihr Blick glitt zu Seth, der nervös mit seinem Teeglas spielte. „Magister, diese Vorprüfungen“, griff er dann zaghaft Fenns Frage auf. „Was für Prüfungen sind das?“
„Sind sie schwer?“, fiel Fenn in seine Worte ein.
„Was passiert, wenn man sie nicht besteht?“, wollte Liina neugierig wissen. Darüber, dass ihr genau das passieren konnte, schien sie nicht besorgt zu sein.
Teese hingegen war sich nicht so sicher, ob sie irgendwelche Vorprüfungen bestehen würde. Sie war an ihrer alten Schule immer recht gut gewesen, auch wenn sie sich nur vage an Zeugnisse oder ihre Noten erinnern konnte. Aber wenn hier magische Dinge abgefragt wurden, würde sie sicherlich eine glatte Sechs bekommen.
Sie sah zu Rinnir, der neben Seth saß und schweigend die Unterhaltung verfolgte. Das Glas des Jungen war noch randvoll und er sah eher finster drein. Als er Teeses Blick bemerkte sah er sie kurz an und dann eilig zu der Katze, als würde er ihr dabei zusehen, wie sie sich putzte.
„Ach, über die Vorprüfungen macht Euch mal keine Gedanken“, wiegelte die Magister ab und machte eine wegwischende Handbewegung. „Viele hervorragende Magier sind im ersten Jahr durch eine ganze Menge von ihnen gefallen. Man muss nicht alles im Leben schon können, wenn man nach Weltenei kommt. Wichtig ist, was Ihr von heute an lernen werdet.“
Sie trank ihr Glas leer und erhob sich. „Stellt die Gläser zurück ins Regal, wenn Ihr fertig seid“, sagte sie. „Und seht zu, dass Ihr heute Abend nicht lange herumtrödelt sondern nach dem Essen zügig nach Hause kommt.“
Damit verließ sie das Zimmer durch die Hintertür in den Garten. Die Katze zögerte einen Moment und folgte ihr dann. Die fünf Kinder sahen der Magister und ihrem Haustier ein wenig ratlos nach.

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Die Schule der Magier (11/18)

Mai 18, 2009

Die Tür schloss sich in Teeses Rücken, so dass sie Icus‘ Antwort nicht hören konnte. Das Mädchen folgte Seth durch den Garten, der sich hinter dem Haus erstreckte und erst an einer niedrigen Mauer endete, die weit in die Tiefe hinunter reichte, bis zu einem schmalen Strand, der von Wellen umspielt wurde. Der Blick aus dem Garten über das Meer reichte bis zum Horizont. Hier an einem schönen Sommerabend zu sitzen und zuzusehen, wie die Sonne unterging, musste großartig sein.
Ohne es selbst zu merken, war Teese stehen geblieben und atmete die frische Meeresluft ein. Ein paar Möwen kreisten über den Wellen und eine leichte Brise wehte, die den warmen Vormittag angenehm erscheinen ließ.
Nachdem Teese eine Weile einfach nur an der Mauer gestanden und aufs Meer gesehen hatte, fiel ihr ein, dass sie eigentlich mit Seth wegen des Fohlens hier war. Sie sah sich hektisch um, konnte den Jungen aber nirgends sehen. Ein Stück zu ihrer Rechten war allerdings ein Schuppen angebaut, dessen Tür offen stand. Eine Handvoll Vögel, die Teese im ersten Moment für Hühner gehalten hatte, standen vor der Tür in einem Halbkreis und zogen sich in den Garten zurück, als Teese herüber kam.
Das Mädchen sah ihnen einen Moment irritiert nach, denn anstatt Hühnerköpfen mit Schnäbeln hatten sie eindeutig Köpfe wie Menschen, wenn auch viel kleiner. Die seltsamen Wesen verschwanden im Unterholz und Teese schielte in den Schuppen.
Durch die Tür konnte sie in einen langen Gang sehen, der sich weit nach hinten erstreckte und an dessen rechten Seite mehrere Boxen waren. An einer der hinteren kniete Seth im Gang und hielt eine Hand in einen der abgetrennten Ställe. Teese ging an zwei Schweinen vorbei und einer Box, in welcher ein Löwe und eine Ziege zusammen im Heu lagen.
Als Teese daran vorbei ging, hörte sie ein Zischen und sah, dass eine Schlange sich neben dem Löwen aufrichtete. Teese blinzelte, aber sie täuschte sich nicht. Die Schlange war der Schwanz des Löwen. Und als dieser interessiert zu ihr sah, erkannte sie, dass er nicht neben einer Ziege lag, sonder Löwenkopf und Ziegenkopf zu einem einzigen Wesen gehörte.
Teese stolperte gegen Seth, da sie den Blick nicht von dieser merkwürdigen Kreatur hatte lassen können. „Was ist das für ein Tier?“
Seth wedelte aufmunternd mit ein paar grünen Blättern vor der Nase eines kleinen, weißen Fohlens, das in der nächsten Box auf wackeligen Beinen stand. „Eine Chimäre“, sagte er. „Sie hat Probleme mit ihrem Feuer.“
Teese öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, war aber zu überrascht, um etwas Vernünftiges zu sagen und schloss ihn wieder. Seth wusste anscheinend recht gut Bescheid. Vielleicht war er mit diesen Tieren aufgewachsen. Für Teese allerdings waren sie eindeutig neu und unbekannt.
Nur das kleine Fohlen, das zögerlich näher kam und an einem der Blätter in Seths Hand zupfte, wirkte vertraut, auch wenn es kein Pferd war. Ein noch recht kleines, weißes Horn auf seiner Nase ließ Teese in dem jungen Pferd ein Einhornfohlen erkennen. Sein linkes Bein war mit einem Verband umwickelt und es stand recht wackelig auf seinen Beinen.
„Was hat es?“, wollte Teese wissen.
Das Einhorn zuckte erschrocken zurück und Seth warf dem Mädchen über seine Schulter einen bösen Blick zu. Teese legte ihre Hand auf den Mund. Sie hatte das kleine Einhorn nicht verschrecken wollen. Sie hatte gedacht, es wäre recht zahm, so wie es Seth die Kräuter aus der Hand fraß.
Teese machte ein paar behutsame Schritt zurück, bis sie mit dem Rücken die Wand berührte. Das kleine Einhornfohlen maß sie misstrauisch und kam erst langsam näher, als Seth aufmunternd und beruhigend mit ihm sprach.
Teese blickte verlegen zu Boden und ihr Blick streifte für einen Moment den einer Katze, welche links von ihr auf dem Boden saß und sich unbeteiligt gab. Teese sah lieber zweimal hin, doch schien diese Katze eine ganz normale Katze zu sein und kein Mischwesen aus Katze, Ziege und Schlange oder Katze und Huhn mit Menschenkopf. Anscheinend konnte man sich solcher Dinge hier allerdings nicht allzu sicher sein.
Die Katze sah zu Teese auf und sah sie kurz und offensichtlich belustigt aus gelben Augen an, um dann wie nebensächlich eine Pfote zu lecken und sich die Ohren zu putzen. Teese wagte kaum aufzusehen, um das kleine Einhorn nicht erneut zu stören. Doch als sich Seth erhob, schielte sie an ihm vorbei zu dem kleinen weißen Pferd, das gerade die letzten Reste der Kräuter kaute.

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Die Schule der Magier (10/18)

Mai 15, 2009

Teese zögerte einen Moment, ging dann aber zur Tür, um sie zu öffnen. Ein Junge, gut einen Kopf größer als sie und mit umgehängter orangefarbener Schärpe, stand vor der Tür. Seine rotblonden Haare wetteiferten mit der Farbe der Schärpe. Ein wenig überrascht, machte er einen halben Schritt zurück. „Oh. Hi. Ich wollte…Ist die Nabi da?“
„Wer?“ Teese sah den Jungen verständnislos an. Er war sicherlich zwei oder drei Jahre älter als sie und wirkte kräftig, beinahe massig. Teese entschied, dass es keine gute Idee wäre, sich mit jemandem wie ihm zu prügeln.
Allerdings sah er nicht aus, als würde er auf Ärger aus sein. Vielmehr grinste er belustigt über Teeses Worte, so dass es dem Mädchen verlegen die Röte in die Wangen trieb.
„Die Magister?“, wollte sie schließlich wissen. Die Namen der anderen kannte sie immerhin, Liina, Fenn, Seth und Rinnir. Nabi musste der Name der Magister sein. Und tatsächlich nickte der Junge auch, ohne dass das Grinsen von seinem Gesicht verschwand.
„Das ist typisch Magister Nabi“, sagte er dann. „Vollkommen verplant, die Gute. Aber da ist sie schon, oder?“
„Ja. Aber sie kümmert sich um das Fohlen“, wiederholte Teese, was die Magister ihnen gegenüber selbst gesagt hatte.
„Hm, das wird wohl nicht allzu lange dauern. Ich warte so lange.“ Er sah Teese erwartungsvoll an. „Lässt Du mich rein, oder soll ich hier draußen stehen bleiben.“
Teese beeilte sich, einen Schritt zurück zu machen und den Jungen herein zu lassen. Es war ihr peinlich, dass er angenommen hatte, sie würde ihm die Tür vor der Nase zuschlagen.
„Ich bin übrigens Icus“, sagte er, während er zum Tisch ging und sich auf einen der Stühle niederließ.
„Teese.“
Icus pfiff durch die Zähne. „Ach, schau einer an. Du bist das also.“ Das Grinsen, das kurzfristig von seinem Gesicht verschwunden war, tauchte wieder auf. „Du bist schon das Gesprächsthema der ganzen Schule. Zielstrebig mit Timar angelegt, nicht wahr? Der war so sauer, dass er auf dem Weg zum Magieturm jeden angekeift hat, der ihn auch nur annähernd komisch angesehen hat.“
Icus stützte die Ellenbogen auf den Tisch und musterte Teese. Das Mädchen schob ihre Hände in die Taschen der Robe und zuckte mit den Schultern.
„Du weißt nicht, wer er ist, oder?“
Teese schüttelte den Kopf.
„Er ist ein Idiot.“ Liina kam die Treppe hinunter. „Das ist uns auf alle Fälle schon mal klar.“
Icus lachte. „Ja, das stimmt wohl.“ Ein spöttisches Lächeln lag auf seinen Lippen. „Hast Du ihm das so ins Gesicht gesagt?“
„Ja, weil es stimmt.“
„Er ist der Sohn des Dekans“, erwiderte Icus. „Nicht, dass mich das beeindrucken würde, aber er hält sich für das Tollste, was Weltenei je hervorgebracht hat, als ob der Sohn eines Magiers etwas Besseres wäre als der Rest von uns. Dabei ist es im Grunde doch genau umgekehrt und nur weil er…“
Icus verstummte, als die Hintertür geöffnet wurde und die Magister herein kam. Der Junge kam so schnell auf die Beine, dass der Stuhl, auf dem er bis eben gesessen hatte, fast umgekippt wäre. „Guten Tag, Magister Nabi.“
Die dunkelhäutige Frau mit den feuerroten Haaren sah den Jungen einen Augenblick ratlos an. „Iktus, nicht wahr?“
„Icus“, korrigierte der Junge sie. „Mein Tutor schickt mich mit ein paar Kräutern, die Sie haben wollten?“
„Kräuter?“
„Koboldhut.“
„Ach…nun, damit hättest Du Dich nicht ein wenig beeilen können, oder?“ Magister Nabi durchquerte den Raum und blieb vor dem Jungen stehen. „Das hätte ich gebraucht, bevor ich das Fohlen gefüttert habe. Ob es das danach frisst…“ Sie machte eine wegwerfende Geste. „Egal. Gib den Koboldhut Seth.“
Icus sah ratlos zu Teese, während die Magister ihn stehen ließ und zum Ofen ging. Aus einem Regal an der Wand nahm sie sechs Gläser und füllte Wasser hinein.
Icus‘ Blick glitt weiter zu Liina, welche mit dem Daumen in Richtung Hintertür zeigte, wo Seth der Magister gefolgt war. In der schwarzen Robe mit den verknoteten Bändern wirkte er erschreckend dürr und die zerzausten Haare standen ein wenig ab, als wäre er durch einen Herbststurm gewandert. „Das ist Seth.“
Icus griff in seine Robe und holte ein eingeschlagenes Tuch heraus. „Hier, bitte.“
Seth nahm das Tuch und warf einen Blick hinein. Allerdings schien er genauso wenig zu wissen, was er damit sollte, wie Teese.
„Versuche, ob Du es dem Fohlen füttern kannst“, kam allerdings gleich die Anweisung der Magister. „Teese, Du gehst mit ihm und gehst ihm ein wenig zur Hand.“
„Okay.“
Teese hatte zwar keine Ahnung, wie sie Seth dabei helfen konnte, einem Fohlen ein paar Kräuter zu füttern, aber sie war neugierig auf das kleine Pferd und den Garten hinter dem Haus.
„Und Du, Icus“, fuhr Magister Nabi fort, als Teese mit Seth bereits den Raum halb verlassen hatte. „Kannst jetzt gerne wieder gehen. Wir sind keine Zoologische Abteilung und meine Kinder sind keine Attraktion, die es zu begaffen gilt.“

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Die Schule der Magier (9/18)

Mai 11, 2009

„Puh, wie man das wohl anziehen soll?“, lenkte Liina die Aufmerksamkeit des Mädchens wieder auf sich. Die pummelige Chinesin hatte ihre Robe aufgefaltet und sah sich mit einer Reihe von Bändern konfrontiert, welche von dem Kleidungsstück herab hingen.
„Ich weiß nicht“, gestand Teese. „Aber Magister Elgin hatte seine Robe irgendwie vorne verknotet.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Vielleicht wie eine Schürze?“, schlug sie vor. „Zieh das erst mal über und dann schaue ich, ob ich es hinbekomme, wie es bei dem Magister ausgesehen hat.“
Liina grinste und streifte ihre Kleidung ab, um in die Robe zu schlüpfen. Teese setzte sich auf ihr Bett und musterte die verschiedenen Bänder nachdenklich. Sie war sich sicher, dass sie vor dem heutigen Tag niemanden getroffen hatte, der ein solch merkwürdiges Kleidungsstück getragen hatte.
Allerdings gab es dabei ein kleines Problem, denn Teese fiel es schwer, sich zu erinnern, was die Leute um sie herum statt dessen getragen hatten, Leute wie ihre Eltern. Die Erinnerung an sie war ohnehin als Ganzes verschwommen und recht vage, als würden die Gedanken in Watte gepackt sein.
„Und?“, wollte Liina wissen.
Teese seufzte und ergriff zwei der Bänder. „Halte mal still“, forderte sie ihre neue Freundin auf.
Langsam fuhr Teeses Hand um Liinas Taille, kreuzte zwei der Bänder und verknotete sie. Dann griff sie zwei weitere und band sie genau umgekehrt, so dass Liina ein wenig aussah wie ein hübsch verpacktes Geschenk aus dunklem Papier mit Geschenkband umwickelt, wenn auch ohne Schleife.
„Ich glaube“, sagte Teese zögernd, „so ist es richtig.“
Liina bewegtes sich probehalber ein wenig und nickte dann mit einem Strahlen. „Ja, ich glaube auch. Jedenfalls hält es.“ Sie drehte sich einmal im Kreis, so dass die offenen Enden der Bänder flatterten. „Jetzt Du. Uhm, und dann schaue ich mir mal das Badezimmer an, bevor wir Tee trinken.“
Teese streifte kommentarlos ihr Shirt über den Kopf und zog die Hose aus. Ihre Kleidung wirkte auf sie genauso seltsam und ungewohnt wie die Robe, die sie nun überzog. Liina brauchte zwei Anläufe, bis sie die Bänder richtig und fest genug um Teeses Hüfte gebunden hatte.
Teese machte ein paar Schritte. Irgendwie fühlte sie sich steif in dieser gebundenen Robe. Alles war recht eng und sicher nicht dafür gemacht, mit dieser Kleidung draußen herumzutoben. Andererseits waren sie hier auch an einer Schule und dieser Effekt vermutlich gewünscht.
Die beiden Mädchen verließen das Zimmer und Liina verschwand im Bad, welches sich hinter dem Zimmer der beiden befand. Teese ging die Treppe hinunter und sah sich im Esszimmer um. Außer ihr war noch niemand hier. Die Jungs packten sicher noch aus und die Magister war wohl noch mit diesem Fohlen beschäftigt, von dem sie gesprochen hatte.
Teese trat an den kleinen Herd. Er wirkte seltsam altmodisch und war mehr ein Ofen mit einer gußeisernen Platte, auf welche man wohl einen oder zwei Töpfe stellen konnte. Probeweise streckte Teese ihre Hände dagegen aus, obwohl kaum zu erwarten stand, dass der Herd mitten im Hochsommer grundlos beheizt war. Und das war auch nicht der Fall. Dennoch zog Teese eilig ihre Hände zurück, als habe sie sich verbrannt: Der Ofen war eiskalt und schien den ganzen Raum zu kühlen.
Das Mädchen hielt kurz inne und griff dann nach dem Schürhaken. Vorsichtig hob sie damit die kreisrunde Platte hoch, welche den Ofen nach oben verschloss und warf einen Blick in den Kessel, in welchem im Winter wohl ein Feuer brennen musste. Teese konnte auch jetzt eine Flamme im Inneren erkennen, die allerdings fahlblau leuchtete und in der Mitte des Kessels loderte, ganz ohne Holz oder irgendeinen anderen Brennstoff.
Ein Klopfen an der Tür, ließ Teese zusammenzucken und beinahe wäre ihr die Ofenplatte heruntergefallen. Sie atmete einmal kurz durch und schob die Platte wieder auf den Ofen, um die blaue Flamme im Kessel wieder zu verschließen. Schnell legte sie den Schürhaken zurück, während es erneut klopfte.

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Die erste Woche

Mai 8, 2009

Acht Romanteile habe ich in den letzten Tagen hochgeladen und das heißt, dass die erste Woche vorüber ist. Genau heute vor einer Woche startete der Weltenei-Roman und in dieser Zeit hatte die Seite immerhin (wenn auch im Vergleich zu anderen Seiten eher bescheidene) 350 Zugriffe. Dafür, dass wir zurzeit nur von Mundpropaganda leben und auf ein paar Votinglisten zu finden sind, finde ich das doch schon einmal einen guten Anfang.

Ab hier gibt es nur noch zwei Updates pro Woche – wie bereits angekündigt – und zwar Freitag und Montag. Das heißt, dieses Wochenende gibt es folglich nichts Neues zu lesen und ich kann mein viertes Kapitel langsam einmal fertig schreiben. Das Wetter soll jedenfalls nicht dazu angetan sein, den heimischen PC zu verlassen und ins Grüne zu fahren (wobei ich prakisch mitten im Grünen wohne und ohnehin nirgendwo hinzufahren habe).

Bevor Ihr Euch alle ins sicherlich verdiente Wochenende verabschiedet, möchte ich noch einmal kurz auf die Kommentarfunktion unter den einzelnen Beiträgen verweisen. Ihr dürft Sie alle gerne nutzen, um mir etwas zum Thema zu hinterlassen. Wenn ich merke, dass bestimmte Dinge auf Weltenei für Euch besonders interessant sind, gehe ich gerne auch etwas ausführlicher darauf ein, als vielleicht geplant.

Und wenn ich schon dabei bin, möchte ich kurz noch einmal Müsli für ihre netten und ausführlichen Kommentare danken. Ich weiß es wirklich zu schätzen. Im Dialog ist Literatur gleich noch einmal wesentlich interessanter – vor allem auch für die Autorin.

Liebe Grüße,

Eure h3nri3tt4


Die Schule der Magier (8/18)

Mai 8, 2009

Teese und die anderen vier beeilten sich, ins Haus zu kommen, während Magister Elgin mit den restlichen Kindern weiter ging.
„Die Zimmer sind oben.“ Während sie sprach durchquerte die Magister den Raum, der Teese ein Esszimmer zu sein schien. Ein Tisch mit sieben Stühlen stand in der Mitte. Links an der Wand gab es einen Herd und mehrere Schränke und Regale mit Geschirr. Daneben führte eine Treppe dorthin, wo wohl die Zimmer lagen.
„Zwei Zimmer rechts, ein Zimmer links und dahinter das Bad“, fuhr die Magister fort. Sie war zur Hintertür gegangen, die offenstand und einen Blick in einen Garten erlaubte und weit dahinter auf das Meer.
„Die Mädchen bekommen das Zimmer links, denke ich.“ Die Magister war schon fast zur Tür heraus. „Die Jungs teilen sich die Zimmer rechts. Bringt Eure Sachen hoch, zieht Euch um und dann trinken wir noch einen Tee, bevor Ihr in die Halle hinauf müsst.“ Sie betrat den Garten, schloss die Tür und ließ die fünf Kinder im Esszimmer stehen.
„O-kay“, sagte Liina gedehnt und sprach damit aus, was Teese auch dachte. Sie wusste noch nicht einmal, wie die dunkelhäutige Frau hieß und schon war sie wieder verschwunden.
„Seth und ich nehmen das erste Zimmer rechts“, entschied Fenn und sah dann zu dem dritten Jungen. „Ist doch in Ordnung für Dich, oder?“
Rinnir zuckte nur mit den Schultern. „Passt schon“, sagte er. „Ich habe gerne ein Zimmer für mich.“
Teese seufzte und ging als erste zur Treppe. Irgendwie fühlte sie sich ein wenig desorientiert und Fehl am Platz, auch wenn das Haus hübsch aussah und der Garten mit dem Meer dahinter sicherlich ein Traum war.
Liina huschte ihr hinterher und überholte sie auf der Treppe. „Ich bin schon total neugierig“, keuchte sie und öffnete vor Teese die Tür zu dem linken Zimmer.
Teese folgte der kleinen Chinesin in den Raum und war sofort begeistert. Das Zimmer war unglaublich groß mit zwei Fenstern zur Straße hin, durch die helles Tageslicht fiel. Ein riesiger Teppich mit Fabelwesen darauf bedeckte den Boden. Drachen, Einhörner, Pferde mit Hinterflossen und seltsame Vögel mit Menschenköpfen waren mit einem goldenen Faden in den roten Teppich gestickt.
Am Ende des Teppichs standen zwei Tische an den Fenstern und rechts und linke von ihnen schwere Regale mit einer Unmenge an Büchern. Zwei Betten standen an je einer Seite des Zimmers. Sie waren groß, breit und mit einem goldenen Baldachin versehen.
„Ist das toll.“ Liina warf ihre Sachen auf das rechte Bett und sprang durch den Raum. Sie kletterte auf den Tisch und öffnete das Fenster, um hinaus zu sehen.
Teese legte ihre Sachen auf dem linken Bett ab und ging zu dem Bücherregal dahinter. Die Bücher waren alle in Leder gebunden, einige mit goldenen Nummern auf ihrem Rücken. Titel ließen sich nicht ausmachen.
Teese zog ein Buch heraus. „Sympathetische Zauber. Eine Einführung“, las sie und zog eine Augenbraue hoch.
Sie stellte das Buch zurück und zog ein weiteres heraus. „Enzyklopädie der Tiere.“ Sie blätterte darin. Neben einem Walfisch, einer Reihe vertraut wirkender Fische und einer Unmenge an Muscheln, war eine Nixe abgebildet und die Pferde mit Fischschwanz, die auch auf dem Teppich zu finden waren.
Liina rutschte vom Tisch und trat zu Teese. „Cool.“
Sie griff ebenfalls nach einem Buch. „Bannsprüche und Runenflüche“, las sie.
Teese kaute auf ihrer Unterlippe. „Das ist das, was wir lernen werden?“, wollte sie zögerlich wissen. Der Drache am Ufer und die fliegenden Pferde, die sie vom Boot aus gesehen hatten, hatte sie zwar nicht erwartet, aber irgendwie hatten sie die Tiere auch nicht allzu sehr verwundert. Aber jetzt, da sie diese Bücher sah, war sie ein wenig unschlüssig.
„Zauberbücher“, grinste Liina unbekümmert. „Tolle Sache. Komm, wir ziehen uns schnell um. Ich will mir unbedingt den Ort anschauen und diesen Turm. Ob es hier noch mehr Drachen gibt?“
Während sie zurück zu ihrem Bett eilte, stellte Teese langsam das Buch zurück. Ihre Gedanken schwirrten. Für Liina schien all dies hier vollkommen normal zu sein, aber Teese hatte irgendwie das Gefühl, dass sie eher träumte als dass sie wirklich an diesem Ort war.
Vorsichtig kniff sich das Mädchen in den Arm. „Autsch“, murmelte sie und rieb sich den Arm.

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Die Schule der Magier (7/18)

Mai 7, 2009

Der Magister ging den Kindern voran aus dem Haus des Pförtners und zurück auf die Straße. Teese konnte die Spitze eines roten Drachenschwanzes sehen, die ein Stück weiter oben um eine Kurve des Kopfsteinpflasters verschwand.
Die Gruppe folgte dem Drachen durch ein gemauertes Portal, das den Eingang zu dem Bereich der Wohnhäuser darstellte. Die Straße war erstaunlich breit und gut gepflastert. In einigen Abständen waren eine handvoll breiter Stufen angelegt, so dass sie Straße mit einer sanften Steigung spiralförmig auf den Inselberg hinauf führte, sicherlich bis ganz hinauf zu dem Turm mit dem goldenen Engel auf seiner Spitze, den Teese von ihrem Ruderboot aus bereits bewundert hatte.
Die ersten Häuser hinter dem Portal waren Gasthäuser, eine Post und steinerne Gebäude ohne Fenster, die Teese für Lager hielt. Dahinter begannen die Wohnhäuser, schmale Steinbauten mit hölzernen Fensterläden und hellblauen Türen. Die meisten der Häuser waren sehr schmal und recht hoch.
Nachdem sie einige dieser Häuser passiert hatten, blieb Magister Elgin stehen und las sechs Namen vor. Er ließ die Kinder vortreten und erklärte ihnen, dass sie hier während des Schuljahres wohnen würden. „In Magister Tyras Haus.“ Er klopfte an der Tür.
„Sie wird so etwas wie Eure Mutter sein, bis Ihr alt genug seid, um ein Zimmer im Magieturm zu bekommen. Wenn Ihr Fragen habt, wendet Euch immer vertrauensvoll an sie, geht ihr aber nicht auf die Nerven. Manche Magister haben nämlich immer viel zu tun und brauchen viel Ruhe für ihre Studien.“ Der schlaksige junge Mann schmunzelte, während sich die Tür öffnete und eine Frau mit kurzen, braunen Haaren heraustrat.
„Ach, schon da?“, wollte sie zur Begrüßung wissen und strahlte fröhlich in die Runde.
Teese bedauerte, dass ihr Name nicht aufgerufen worden war, denn die Frau wirkte auf sie sehr nett, wie sie die sechs Kinder in Empfang nahm.
Beim nächsten Haus war sie allerdings recht froh, dass sie nicht hier wohnen sollte, denn der Mann, welcher die Tür öffnete, wirkte alles andere als erfreut über die Kinder, die bei ihm einziehen sollten.
Liina griff nach Teeses Hand. „Wenn man mich bei so einem einquartiert, schreie ich ganz laut“, flüsterte sie ihr ins Ohr.
Teese nickte grimmig. Ob man wohl noch umziehen konnte, wenn man mit dem Magister, bei dem man wohnen sollte, nicht klar kam?
„Und wenn wir nicht in ein Haus kommen, schreie ich auf“, fügte Liina ernst hinzu.
Teese drückte ihre Hand und entschied, dass sie sich das auch überlegen sollte. Sie kannte Liina erst seit der Überfahrt in den Booten, aber sie war fröhlich, nett und Teese mochte sie irgendwie. Mit jemandem wie Liina zusammen zu wohnen versprach lustig zu werden.
Und tatsächlich hatten die Mädchen Glück, denn ihre Namen wurden beide beim dritten Haus aufgerufen. Ebenso die von Seth und Fenn, was Teese auch irgendwie freute. Außerdem wurde noch ein blasser Junge mit kinnlangen dunkelblonden Haaren aufgerufen, den Teese bisher nicht wirklich zur Kenntnis genommen hatte. Sein Name war Rinnir und er trat schweigend und mit leicht verkniffenem Gesicht zu den anderen.
Liina beugte sich zu Teese, während Magister Elgin an der Tür des Hauses klopfte. „Wir sind nur fünf“, flüsterte sie.
„Stimmt.“ Teese zog die Nase kraus. Die übrigen Gruppen waren beide sechs Kinder gewesen. „Meinst Du der eine, der fehlt, hätte bei uns wohnen sollen?“
„Ich frage mich, wer das wohl war und warum er nicht gekommen ist.“
Teese zuckte mit den Schultern. „Vielleicht kommt er später nach?“
„Vielleicht.“ Liina wirkte nicht überzeugt.
Teese wandte den Blick nach vorne, als die Tür geöffnet wurde und eine Frau in einer dunklen Robe und mit umgehängter blauen Schärpe die Tür öffnete. Ihre Haut war dunkel und schimmerte ein wenig golden. Ihre Augen waren dunkelbraun und ihre Haare feuerrot, so dass Fenn überrascht nach Luft schnappte.
Teese sah die Frau mit offenem Mund an. Sie trug mehrere goldene Ohrringe in ihrem linken Ohrläppchen und sah unglaublich schön aus.
„Wow“, murmelte Liina, die ebenfalls nicht anders konnte, als die Magister anzustarren.
„Aha“, sagte die Frau und sah auf die fünf Kinder herunter. „Ihr seid das also.“ Sie blickte kurz zu Elgin. „Einer fehlt.“
Der Magister machte eine entschuldigende Geste. „Ich weiß.“
Sie maß ihn einen Moment prüfend und zuckte dann mit den Schultern. „Nun, dann hat einer von Euch Jungs ein Zimmer für sich“, entschied sie. „Also rein mit Euch. Ich war eben dabei, das Fohlen zu füttern und das mag es gar nicht, wenn es warten muss.“

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